Neues Jahr, neuer Zwang? Per Musterung zur Kriegstüchtigkeit
Ab diesem Jahr werden junge Menschen in Deutschland wieder für die Bundeswehr gemustert. Die Musterung ist Ausdruck der Zeitenwende, die weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen hat. Warum, besprechen wir in dieser Folge. Außerdem blicken wir auf die hierarchische Organisationslogik der Bundeswehr und erläutern, warum Widerstand gegen die ausgerufene Kriegstüchtigkeit nötig ist.
Ab dem 1. Januar 2026 startet die Bundeswehr die verpflichtende Musterung junger Menschen in Deutschland. Allen 18-jährigen werden postalisch Fragebögen zugestellt. Menschen mit einem männlichen Geschlechtseintrag sind verpflichtet, diesen auszufüllen. Wer sich weigert, oder bei den Antworten lügt, riskiert ein Bußgeld bis 1000 Euro.[1] Die Befragten müssen Biometrische Daten, Fitnesslevel und Interesse am Wehrdienst angeben.[2]
Über die Musterung will die Bundeswehr herausfinden, wen sie im Verteidigungsfall einziehen kann. Gleichzeitig soll so die Truppenstärke ausgebaut werden. Ziel ist, die Anzahl der aktiven Soldat:innen um 40% von 184.000 auf 260.000 zu erhöhen.[3] Noch wird niemand zum Wehrdienst verpflichtet. Sollten sich jedoch nicht genügend Menschen freiwillig melden, kann die Bedarfswehrpflicht greifen. Dafür wird ein Mehrheitsbeschluss Beschluss im Parlament benötigt.[4] Außerdem kann die Bundesregierung eine unmittelbare Bedrohungslage ausrufen. Die Feststellung dieser bedarf eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Bundestages sowie die Zustimmung des Bundesrates.[5] In diesem Szenario wären alle per Fragebogen erfassten Männer ab dem Geburtsjahrgang 2008 mögliche Wehrpflichtige.[6] Mit dem Postversand der Fragebögen beginnt also die Vorbereitung für den neuen Wehrdienst.
Chronologie deutscher Aufrüstung
Die Musterung in Deutschland ist Teil weltweiter Militarisierung und Aufrüstung. Rund 100 Staaten haben im Jahr 2024 ihre absoluten Verteidigungsausgaben gesteigert.[7] Hierzulande wurde die Militarisierungswelle durch Olaf Scholz eingeleitet, der im Februar 2022 mit Blick auf Russlands Einmarsch in die Ukraine, die Zeitenwende ausrief. Teil davon: ein »Sondervermögen« von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Große Teile der Ausgaben waren schon vor dem russischen Einmarsch geplant, aber nicht finanzierbar. Die Bundesregierung nutzte die russische Invasion als Legitimation für seit langem geplante Aufrüstungsprojekte.[8] 2023 hat die damalige Bundesregierung die »Nationale Sicherheitsstrategie« vorgelegt. In dieser wurde Russland als »größte Bedrohung« und China als »systemischer Rivale« definiert.[9]
Nach der Bundestagswahl 2024 beschloss die neue designierte Regierung zwei Sondervermögen. Erstens unterliegen Verteidigungsausgaben über einem festgelegten Schwellenwert seitdem nicht mehr der Schuldenbremse. Zweitens wurde das 500‑Milliarden‑Euro‑Infrastrukturprogramm ins Leben gerufen. Die Vergabe der Infrastrukturprojekte berücksichtigt unter anderem militärische Kriterien. Der Ausbau des Schienennetzes etwa dient auch dazu, militärische Güter schnell an die Ostflanke der Nato verlegen zu können. Somit soll Deutschlands Rolle als »Drehkreuz der Nato« realisiert werden.
Die Debatte zur Wiedereinführung des Wehrdienstes wurde von Boris Pistorius maßgeblich angestoßen. Im Juni 2024 forderte der Verteidigungsminister zum ersten Mal öffentlich, dass Deutschland bis 2029 kriegstüchtig werden müsse.[10] In diesem Zusammenhang schlug er eine »neue Form des Wehrdienstes« vor. Diese könne, so Pistorius weiter, »nicht völlig frei von Pflichten« sein.
Der neue Bundeskanzler Friedrich Merz legte schnell nach. Bei seiner Antrittsrede im Mai 2025 erklärte er, dass die Bundesregierung «unsere Freiheit entschlossen gegen ihre Feinde» verteidigen werde.[11] Die Bundeswehr werde alle finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen, die sie brauche, «um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden». Das sei für das wirtschaftsstärkste Land Europas mehr als angemessen, so Merz. Dabei lag Deutschland 2024 bereits auf Platz vier der Liste der weltweit höchsten staatlichen Rüstungsausgaben. Nur die USA, China und Russland gaben mehr aus.[12]
Deutschlands Aufrüstung liegt im Trend der Nato-Staaten. Über die Hälfte der weltweiten Militärausgaben wurde Stand 2023 von Nato-Staaten getätigt. Das hielt das angebliche Verteidigungsbündnis nicht davon ab, im Frühjahr 2025 zu beschließen, nationale Rüstungsausgaben bis 2035 auf 5% des Brutto-Inlands-Produkt zu erhöhen. An der Zahl 5%, die auf persönlichen Wunsch Donald Trumps ins Leben gerufen wurde, halten viele Nato-Mitgliedsstaaten vor allem fest, um den US-Präsidenten bei der Stange zu halten.[13]
Für Deutschland würde die Realisierung des Beschlusses bedeuten, dass rund 40% aller Haushaltsausgaben in Rüstung fließen. Auf der letztjährigen Münchener Sicherheitskonferenz lobte Nato-Generalsekretär Mark Rutte Deutschland dafür, die Sichtweise auf Verteidigungsausgaben fundamental geändert zu haben. Mit den erhöhten Ausgaben werde Deutschland eine führende Macht in Europa und der Nato. Dies sei notwendig, da man mit Blick auf Russland «auf das Ausmaß eines Krieges vorbereitet sein müsse, den unsere Großeltern und Urgroßeltern durchlebt haben.»[14]

Militärausgaben der NATO-Staaten,3 der USA, Chinas, Russlands, Indiens und
der übrigen Länder im Jahr 2023. Quelle: Rosa-Luxemburg-Stiftung, »Droht ein neues Wettrüsten?«
Auch die Europäische Union fordert und fördert die Aufrüstung ihrer Mitgliedsländer. Im März 2025 hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen den Plan zur »Wiederaufrüstung Europas« vorgestellt und eine »Ära der Aufrüstung« angekündigt. Über gelockerte Schuldenregeln, Bürokratieabbau und die Öffnung von Fonds für Militärausgaben, sollen insgesamt 800 Milliarden Euro freigemacht werden.[15]Bei ihrer Ansprache zur »Lage der Europäischen Union« im September 2025 begründete von der Leyen dieses Vorgehen wie folgt:
»Europa befindet sich in einem Kampf. Einem Kampf für einen Kontinent, der geeint und in Frieden lebt. Für ein freies und unabhängiges Europa. Einem Kampf für unsere Werte und unsere Demokratien.«
Weiter führt sie aus:
»Gerade jetzt werden die Fronten für eine neue, auf Macht basierende Weltordnung gezogen. Ja, Europa muss kämpfen. Um seinen Platz in einer Welt, in der viele Großmächte Europa gegenüber entweder ambivalent oder offen feindselig eingestellt sind. Eine Welt imperialer Ambitionen und imperialer Kriege. Eine Welt, in der Abhängigkeiten rücksichtslos als Waffen eingesetzt werden. Aus all diesen Gründen muss ein neues Europa entstehen.«[16];[17]
Wie kriegstüchtig werden?
Die Herrschaftsformel kapitalistischer Staaten über ihre Bevölkerungen beschreibt der italienische Marxist Antonio Gramsci als »Hegemonie gepanzert mit Zwang«. Folgt man diesem Modell, dann reicht es für die Kriegstüchtigkeit des deutschen Staates nicht aus, die Einwohner:innen per Zwang zum Dienst an der Waffe zu bringen. Um diese Form der Herrschaft langfristig zu stabilisieren, muss ein gesellschaftlicher Konsens darüber geschaffen und gehalten werden, dass Militarisierung und Kriegsdienst vernünftig sind.
In einer Gesellschaft, die durch die Schrecken der beiden Weltkriege den Schwur «Nie Wieder Krieg» im kollektiven Gedächtnis trägt, bedarf es die Flutung aller Gesellschaftsbereiche mit Bundeswehrpropaganda. Begonnen wird bei denen, die als erste an die Waffe sollen: Kinder und Jugendliche. 2024 gab die Bundeswehr 58 Millionen Euro für Nachwuchswerbung aus.[18] Finanziert wurden damit Busse und Trams in Tarnfarben, Bäckertüten mit Rekrutierungsnachrichten und Plakatkampagnen wie die »70 Gründe für die Bundeswehr«- Kampagne. Die Schulbesuche der Bundeswehr wurden in den letzten vier Jahren verdoppelt. Ganze 5500 Besuche wurden 2025 durchgeführt, wie aus einer Anfrage der Linkspartei hervorging.[19] Schüler:innen der höheren Jahrgänge wurden genauso häufig besucht, wie die der unteren Klassen. Kinder sollen schon ab der 8. Klasse durch die sogenannten Karriereberater rekrutiert werden.[20]
Gegen Jugendliche die sich gegen diese Praxis aussprechen oder polemisieren wird gerichtlich hart vorgegangen. In Freiburg wurde im vergangenen November ein Schüler zu 15 Sozialstunden verurteilt, nachdem er zwei Memes erstellt hatte, die den Schulbesuch eines Jungoffiziers kritisierten.[21];[22]
Auch der öffentlich-rechtlichen Rundfunk macht keinen Halt vor Kriegspropaganda für Jugendliche. In der Sendung «logo.!no.front», die auf dem Kinderkanal vom ZDF ausgestrahlt wird, stellte der Moderator Sherif Rizkallah den Jugendlichen eine »sehr persönliche Frage, […] die echt nicht einfach ist. Wärst du bereit, im Ernstfall für dein Land zu kämpfen? Würdest du als Soldat oder Soldatin dein Land verteidigen, sollte es angegriffen werden? Ja oder nein?«[23]
Das Narrativ, dass Jugendliche ihrem Land doch etwas zurückgeben, und an der Waffe dienen müssten, zieht sich durch die ganze Sendung. Am überzeugtesten vom Wehrdienst, scheint der Moderator selbst. Er stellt zahlreiche Fragen wie:
»Aber ist es nicht auch absurd, dass die, die sagen, Nö, ich bin raus, die leben in einem Land, die wollen ja auch in Sicherheit leben, sagen nur, ich will nichts dafür tun? […] Wenn man so eine große Armee hat, kann das nicht auch abschrecken, dass wir auch gar nicht angegriffen werden? […] Findet ihr, es ist im Jahr 2025 noch in Ordnung, dass man sagt, die Jungs müssen, aber die Mädchen nicht?«
Neben der Konsensproduktion und dem direkten Zwang, gibt es noch ein weiteres Mittel, um junge Menschen zur Bundeswehr zu bringen: Den »stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse«, wie Marx es nannte. Der Wehrdienst ist eine Klassenfrage: Wer wenig finanzielle Alternativen hat, ist besonders leicht rekrutierbar. Der neue Wehrsoldgrundbetrag liegt bei mindestens 2.600 Euro brutto. Das bekommt jeder, der sich für mindestens sechs Monate verpflichtet. Die Unterbringung während der Dienstzeit ist umsonst. Sozialversicherungsbeiträge entfallen. Bahnfahrten für Soldat:innen sind kostenlos. Alle, die mindestens zwölf Monate Dienst ableisten, erhalten einen Zuschuss von bis zu 3500 Euro zum Führerschein.
Damit verdienen die jungen Wehrdienstleistenden «mehr als die meisten jungen Menschen», so das Deutsche Institut für Wirtschaft.[24];[25] Für diejenigen, die sich Ausbildung, Mobilität und ein Leben auf eigenen Füßen sonst nicht leisten können, ist der Wehrdienst eine gute Perspektive – zumindest ökonomisch. Der Umstand, dass die unteren Klassen einen überproportionalen Anteil der Armeen ausmachen, wird in der wissenschaftlichen Literatur als »Economic Draft« bezeichnet.
Die Bundeswehr: Spielwiese für Nazitümelei
Wie sieht der Alltag an dem Ort aus, für den jungen Menschen jetzt wieder massenhaft gemustert werden? »Nein heißt Ja, Ja heißt Anal« ist der vielsagende Titel eines im Dezember erschienenen Artikels in der FAZ. Er offenbart die beschämende Realität des 26. Fallschirmjägerregiments in Zweibrücken: Erniedrigende Rituale, sexuelle Übergriffe, Hitlergrüße, Rechtsextremismus und antisemitische Hetze.
Die Verantwortlichen behaupten, es handele sich um einen von nur wenigen Einzelfällen. Dabei sind die Gründe einer derlei patriarchalen, menschenverachtenden Kultur struktureller Natur. Armeen sind aufgrund ihrer strengen Hierarchisierung ein Sammelbecken für all jene, die genau diese Ordnung positiv bewerten. Blinder Gehorsam und die Aufgabe, politische Entscheidungen mit Gewalt durchzusetzen, bieten den optimalen Nährboden für autoritäre und nationalistische Weltbilder. Soldat:innen werden in ihrer Ausbildung darauf getrimmt, im Ernstfall Befehlen zu gehorchen und andere Menschen zu töten. Das und die Kameraderie befeuern einen Korpsgeist und beseitigen verbleibende moralische Zweifel am Kriegsdienst.
Die Bundeswehr ist auch deswegen so ein fruchtbarer Nährboden für Nazitümelei, weil große Teile des führenden Personals bei der Gründung 1955 direkt aus der Wehrmacht stammten. Man brauche ihr militärisches Fachwissen, hieß es .[26] Seitdem wird um das Verhältnis zu den militärischen Errungenschaften der Wehrmacht und ihrer Soldaten gestritten. Neben Bräuchen und Traditionen, die führende Militärs eigenständig pflegen, gibt es die offizielle Traditionspflege. Der Traditionserlass bestimmt die Regeln zur militärischen Traditionsübernahme. Er ist eine Dienstvorschrift der Bundeswehr und wird vom Verteidigungsministerium erlassen.[27]
Seit jeher konkurrieren zwei Lager in der Bundeswehr: Die Traditionalisten sehen in der Wehrmacht eine der erfolgreichsten Armeen der Weltgeschichte. Sie betrachten das Soldatentum als einen Wert für sich, losgelöst von historischem und politischem Kontext. Dem gegenüber stehen die Reformer. Sie entwickelten auf Basis des Leitbildes des »Staatsbürgers in Uniform« das Konzept der »Inneren Führung«.[28] Dieser Ansatz wird als radikal anders propagiert. Demokratische Rechte des Einzelnen sollten mit soldatischer Pflicht ausbalanciert werden. Das Gewissen des Soldaten wurde zur Grenze für »Befehl und Gehorsam« erklärt.
Erst 2018, in Reaktion auf den Skandal um den Rechtsextremen Oberleutnant Franco A., wurde im neuen Traditionserlass deutlich festgehalten, dass historische Beispiele für »militärische Exzellenz« »nicht zu trennen [seien] von den politischen Zielen, denen sie dienten.«[29] Das Verteidigungsministerium unter Boris Pistorius versuchte 2024 in intern verteilten »Ergänzenden Hinweisen«, genau jene 40.000 Wehrmacht-Offiziere, die beim Bundeswehr-Aufbau mithalfen, reinzuwaschen. Die Begründung: Ihre Kriegserfahrung sei beim Aufbau unentbehrlich gewesen. Militärische Exzellenz solle doch losgelöst vom historischen Kontext betrachtet werden.[30] Nach harscher öffentlicher Kritik zog das Ministerium diesen Vorstoß zurück. Die dahinterstehende Logik blieb: Will man tötungsbereite Krieger ausbilden, ist die Kriegserfahrung vergangener Generationen nützliches Werkzeug.
Der Wehrdienst wird damit beworben, dass die Bundeswehr Demokratie, Freiheit und Gemeinschaft sichert. Doch in Kasernen, in denen der Geist der Wehrmacht weht und Erniedrigungen an der Tagesordnung sind, wird das exakte Gegenteil produziert. Im Apparat der Bundeswehr werden junge, selbstdenkende Menschen mit Träumen und Zielen zu fügsamen, kriegsbereiten Soldat:innen degradiert.
Die Freiwilligkeit des Dienstes bei der Bundeswehr wird vielfach betont.[31] Dabei wird genau diese angebliche Freiwilligkeit im Ernstfall als erstes kassiert. Wenn sich für die von der Bundeswehr angestrebten Personalziele nicht genügend Freiwillige finden lassen, ist Zwang das Mittel der Wahl. So sagt Carlo Masala, Professor für Sicherheits- und Verteidigungspolitik an der Bundeswehr Uni München, in der Talkshow Hart Aber Fair: »Wenn man über die Freiwilligkeit nicht genug Leute jetzt bekommt, dann müsste man die, die theoretisch bereit sind, ein bisschen zwingen.« Noch deutlicher wird der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes André Wüstner bei Maybrit Illner: «Wenn wir in den Verteidigungsfall geraten, dann reden wir nicht von einer Lotterie,[32] dann wird hier jeder eingezogen, der verfügbar ist.»[33]
Wie ein Nationalstaat seine wehrfähigen Bürger:innen an die Waffe zwingt, zeigt sich in der Ukraine. Unter dem Stichwort »Bussification« karrt eine dafür eingerichtete Rekrutierungspolizei ukrainische Männer von der Straße an die Front. Um zu verhindern, dass ukrainische Männer vor dieser Praxis fliehen, hat der ukrainische Staat an seinen Grenzen einen Stacheldrahtzaun errichtet.
Das vorherrschende Narrativ der bürgerlichen Medien, besagt, dass wir aufrüsten müssen, um einen Krieg zu verhindern. Nur wenn wir militärisch noch stärker werden, sind wir sicher. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn westliche Politiker:innen wie Friedrich Merz, Ursula Von der Leyen und Marc Rutte die Bevölkerung auf einen Krieg mit Russland einschwören, macht diese Eskalation eine militärische Auseinandersetzung wesentlich wahrscheinlicher. Hinzu kommt das Risiko, dass ein Krieg zwischen atomaren Großmächten extrem schnell zu einem alles-vernichtenden Atomkrieg eskaliert.
Die europäischen Staaten rüsten nicht auf, um ihre Bevölkerungen oder vermeintlichen Werte zu schützen. Sie rüsten auf, um inmitten der derzeitigen globalen Kräfteverschiebungen ihre geopolitische Machtposition zu behaupten. Oder um es in den Worten der EU-Außenbeauftragten Katja Kallas zu sagen: »Wir müssen unsere Hausaufgaben machen […]. Wir müssen unsere wirtschaftliche Stärke in militärische Macht umwandeln […]«.[34]
Geopolitische Machtkämpfe werden nie von denen ausgetragen, die sie betreiben. Zumeist junge, vor allem arme, und häufig rassifizierte Menschen zahlen in den Kriegen dieser Welt mit Leib und Leben für die Machtkämpfe der Eliten. Doch die Position vor allem junger Menschen macht auch Mut. In einer aktuellen repräsentativen Umfrage sprechen sich nur 30 % der 18- bis 28-Jährigen für die Wiedereinführung der Wehrpflicht aus. Über alle Altersgruppen verteilt liegt die Zustimmung bei 58%. Wehrdienst zu leisten, kommt nur für 23% aller Umfageteilnehmer:innen in Frage; und unter den 18- bis 28-Jährigen sind es nur 14%.[35]
Anfang Dezember gingen 55.000 Schüler:innen in 90 Städten beim »Schulstreik gegen Wehrpflicht« auf die Straße. Am 5. März findet die Wiederauflage statt. Es ist an allen Kräften der gesellschaftlichen Linken, die Mobilisierungen zu unterstützen und eine neue Friedensbewegung aufzubauen. Diese neue Friedensbewegung muss explizit und geschlossen anti-faschistisch auftreten. Vor allem im Osten probiert die AfD und die extreme Rechte bereits, die Schulstreiks zu unterwandern und zu vereinnahmen.[36]
Das Potenzial für eine neue Friedensbewegung ist groß. Im Oktober vergangenen Jahres, nachdem der Koalitionskompromiss zum Wehrdienst geplatzt war, meldeten Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerung eine vollständige Überflutung mit Anfragen.[37] Wir sollten es nutzen.
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article694a8a5136dab63128b5b61a/bundeswehr-verweigerern-von-wehrdienst-fragebogen-drohen-bis-zu-1000-euro-strafe-auch-polizeieinsatz-moeglich.html ↑
- https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-ab-januar-geht-es-los-wie-der-neue-wehrdienst-startet/100185403.html ↑
- https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/verteidigung-ab-januar-geht-es-los-wie-der-neue-wehrdienst-startet/100185403.html ↑
- https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/einigung-wehrdienst-plaene-100.html#:~:text=Verpflichtende%20Musterung%20Mit%20dem%20geplanten%20Gesetz%20soll,M%C3%A4nner%20ist%20die%20Beantwortung%20des%20Fragebogens%20verpflichtend. ↑
- https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Glossareintraege/DE/V/verteidigungsfall.html ↑
- https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-p falz/koblenz/neues-wehrdienstgesetz-wehrpflicht-deutschland-bundeswehr-pistorius-102.html ↑
- https://www.tagesschau.de/ausland/europa/sipri-bericht-ruestung-deutschland-100.html ↑
- https://www.imi-online.de/2025/10/06/militaristische-zeitenwende/ ↑
- https://www.bmvg.de/resource/blob/5636374/38287252c5442b786ac5d0036ebb237b/nationale-sicherheitsstrategie-data.pdf ↑
- https://www.spiegel.de/politik/deutschland/boris-pistorius-mahnt-kriegstuechtigkeit-bis-2029-an-a-063d1ce1-6dda-453e-bd33-1acf9be2558a ↑
- https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/regierungserklaerung-von-bundeskanzler-friedrich-merz-2347888 ↑
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/ ↑
- https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Studien/Onl-Studie_5-24_Aufruesten_web.pdf ↑
- https://www.youtube.com/watch?v=Pq2RbAPE0pU ↑
- https://www.nd-aktuell.de/artikel/1195096.aufruestung-europas-ruestungsfahrplan.html ↑
- https://www.youtube.com/watch?v=cVnmcB4RC-U ↑
- https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/speech_25_2053 ↑
- https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/bundeswehr-nachwuchs-gewinnung-schulen-100.html ↑
- https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wehrdienst-bundeswehr-verdoppelt-ihre-besuche-an-schulen-in-kuerzester-zeit-a-ea5285d6-b8db-483a-a91a-7e6b8231124b ↑
- https://www.jugendinfo.blog/wp-content/uploads/2026/01/03-Karriereberater-an-Schulen-Q1-2026.pdf ↑
- https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/anklage-gegen-ehemaligen-freiburger-schueler-wegen-beleidigung-100.html ↑
- https://www.welt.de/vermischtes/article6943ece430ed0ba32e70e55a/an-der-ostfront-sterben-arbeitsstunden-fuer-ex-schueler-wegen-beleidigung-von-soldat.html ↑
- https://www.youtube.com/watch?v=cVeooGkavBs ↑
- https://www.morgenpost.de/politik/article409418247/verkehrsminister-sagt-wie-der-fuehrerschein-billiger-werden-soll.html ↑
- https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196399.wehrpflicht-bundes-wer.html ↑
- https://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article10726744/Von-Hitlers-Wehrmacht-in-die-Bundeswehr.html ↑
- https://www.bmvg.de/de/aktuelles/der-traditionserlass-23232#:~:text=Mit%20der%20Unterschrift%20der%20damaligen%20Verteidigungsministerin%20Ursula,tr%C3%A4gt%20den%20Titel%20%E2%80%9EDie%20Tradition%20der%20Bundeswehr. ↑
- https://www.youtube.com/watch?v=hktjgNP1xbQ ↑
- https://www.zeit.de/zeit-geschichte/2025/05/tradition-bundeswehr-identitaet-vorfaelle-rechtsextremismus ↑
- https://taz.de/Traditionserlass-bei-der-Bundeswehr/!6028911/ ↑
- https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst ↑
- Die „Wehrdienst-Lotterie“ ist ein diskutiertes Modell zur Wiedereinführung einer Form der Wehrpflicht in Deutschland, das auf einem zweistufigen Losverfahren nach dänischem Vorbild basiert, um Rekrutierungslücken bei der Bundeswehr zu füllen, indem zunächst alle 18-Jährigen einen Fragebogen ausfüllen müssen und bei Bedarf die Verbliebenen per Los zur Musterung gezogen werden, was jedoch innenpolitisch umstritten ist. ↑
- https://x.com/NurderK/status/19789258065 88944630 ↑
- https://www.economist.com/the-world-ahead/2025/11/12/europe-needs-to-adapt-to-a-rougher-world-argues-kaja-kallas ↑
- https://www.dezim-institut.de/presse/junge-generation-lehnt-wehrdienst-klar-ab-aber-breite-unterstuetzung-fuer-ein-pflicht-gesellschaftsjahr/ ↑
- Beispielsweise hat der Neonazi Max Schreiber auf seinem Telegramkanal zu den Demonstrationen in Dresden aufgerufen. ↑
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article68f2f29978596728f433bffd/wehrdienst-beratungsstellen-fuer-kriegsdienstverweigerung-werden-ueberflutet-von-anfragen.html ↑
Foto: anlässlich des Feierlichen Gelöbnisses zum 20. Juli (2023) mit Generalinspekteur Carsten Breuer, Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem Ehrengast Konstanze von Schulthess-Rechberg, Tochter von Claus Schenk Graf von Stauffenberg via Creative Commons.



