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Juni 2009: marx21, Heft 11 | Drucken |
Extreme Jugendgewalt ist meist männlich
Zum Artikel »Der Kapitalismus frisst seine Kinder« von Frank Eßers (Heft 10)

Frank Eßers spricht in seinem Beitrag von »Jugendgewalt«. Es wäre schön, er würde ein wenig tiefer schauen und korrekt von »Jungengewalt« schreiben. Es sind vor allem Jungen, die nicht klar kommen. (Es gab meines Wissens in den vergangenen zehn Jahren nur eine Amokläuferin, in den USA).

Jahrhunderte lang waren Frauen und Mädchen angeblich zu dumm, um zur Schule zu gehen und vernünftige Berufe zu ergreifen. In Afghanistan und weiten Teilen der muslimischen Welt gilt dies noch immer.

Nun aber, da Mädchen der westlichen Welt in der Schule und Uni zeigen, was in ihnen steckt, schreibt die Bild-Zeitung als Folge von Winnenden, man möge die Jungen doch mehr fördern, weil sie strukturelle Probleme hätten und mit den vielen Lehrerinnen nicht klar kämen. Auch dies ist bezeichnend. (Uns Mädchen hätte man im ähnlichen Fall zurück an den Herd geschickt. Weil wir nichts taugen).

Übrigens: In Winnenden getötet wurden nicht etwa neun Schüler und drei Lehrer, wie uns viele, viele Gazetten auf den ersten Seiten glauben machen wollten, sondern acht Schülerinnen, ein Schüler und drei Lehrerinnen. Frauen sind wieder Opfer - sie sind die Zeitarbeiterinnen, die in dieser Krise als erste rausfliegen, Frauen verdienen noch immer weniger als Männer, Frauen sind Opfer von Gewalt. Von »Jungengewalt«.

Ja, es stimmt. Dort, wo die Mädchen sich auf der Straße behaupten, werden auch sie aggressiver, prügeln. Aber: Die »Jugendgewalt«, die Frank Eßers meint, die auch Roland Koch seinerzeit gemeint hat, die ist männlich. Vielleicht hilft diese Analyse auch bei der Suche nach Antworten auf das Problem.

Ulrike S., per E-Mail


 
 
 
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