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Irak | Drucken |
Das Ende der Besatzung
Gwynne Dyer: "Nach Irak und Afghanistan. Was kommt wenn die westlichen Truppen gehen?", Campus Verlag, Frankfurt/M. 2008 248 Seiten, 19,90 Euro

Gwynne Dyer: "Nach Irak und Afghanistan. Was kommt wenn die westlichen Truppen gehen?"Von Michael Bruns

„Nach Irak und Afghanistan" beleuchtet die komplexe aktuelle Situation in Mittleren Osten und ihre Vorgeschichte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Irak. Gwynne Dyer erklärt die Hintergründe der US-Invasion im Irak, die Entwicklung in Irak und Iran, die Lage Israels, den islamischen Fanatismus und die angebliche schiitische Gefahr. Die These des kanadischen Journalisten und Militärhistorikers Dyer: Der Westen soll und wird sich in die Region nicht mehr einmischen und seine Truppen abziehen. Dyer sagt nicht, dass dann alles gut wird, aber ausländische Interventionen machen alles nur noch schlimmer. „Langfristig wird dies gewiss besser für die Völker der Region sein, als ständige ausländische Bevormundung."

Detailliert entwickelt der Autor Szenarien dafür, wie sich Sunniten, Schiiten, Kurden und die verschiedenen radikalen Gruppen nach Ende der Besatzung verhalten könnten. Dyer prognostiziert, dass die dezentralisierte Verfassung des Irak und die anteilige Verteilung der nationalen Ölexporteinnahmen auf die Regionen eine stabile Entwicklung nach Beendigung der Besatzung ermöglichen. Trotz anfänglichem Chaos, argumentiert Dyer, wird sich die Lage langfristig besser entwickeln. Denn der Groll und das Gefühl der Erniedrigung, Alltag unter der Besatzung, würde verschwinden; der antiwestliche Terrorismus abnehmen.

Dyer kritisiert als Militärhistoriker, als Stratege - und lässt keinen Zweifel daran, dass die USA im Mittleren Osten gescheitert sind: Die Invasion im Irak war „spektakulär inkompetent" und führte zu Bürgerkrieg und zu einem Aufstand gegen die Besatzung. Zu einem Truppenabzug gibt es für ihn keine Alternative.

Zugänglich geschrieben, gelingt Gwynne Dyer ein eindringliches Plädoyer dafür, dass die militärische Besatzung keinen Frieden bringen kann. Afghanistan kommt bei Dyer allerdings recht kurz - die Wahl des deutschen Titels („Nach Irak und Afghanistan") weckt hier falsche Erwartungen. Der Originaltitel lautet „After Iraq" und tatsächlich geht es vornehmlich um den Irak und den Mittleren Osten.
 
 
 
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