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18.07.08: Bericht |
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Armut und hohe Lebensmittelpreise fördern Prostitution in Nordafghanistan |
Seit der Nahrungskrise ist der Druck
auf Frauen in Afghanistan zusätzlich gestiegen. Betroffene aus der
nordafghanischen Provinz Balkh haben mit dem UN-Informationsdienst IRIN über ihre
Not gesprochen, als Prostituierte arbeiten zu müssen. marx21
dokumentiert den IRIN-Bericht:
Mazar-i-Sharif, 16. Juli 2008 (IRIN)
– Hohe Nahrungsmittelpreise, Dürre, Arbeitslosigkeit und geringe soziale und ökonomische Chancen treiben
manche Frauen und Mädchen im Norden Afghanistans in die
Prostitution, berichteten Frauenrechtlerinnen und mehrere
Betroffene dem UN-Informationsdienst IRIN.
 Im Norden Afghanistans nimmt Prostitution wegen hoher Preise für Nahrungsmittel, Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu, sagen Frauenrechtlerinnen. (Foto: Parwin Arizo/IRIN) "Ich habe keine andere
Möglichkeit, meine Kinder zu ernähren, als diese ekelhafte
Arbeit zu verrichten", sagt die 27-jährige Nasima (Namen
geändert), eine Prostituierte aus der Balkh-Provinz.
Najiba, eine Sexarbeiterin in
Mazar-i-Sharrif, der Provinzhauptstadt von Balkh, berichtet, dass sie
als Prostituierte arbeiten müsse, seit die Nahrungsmittelpreise
im Dezember 2007 dramatisch gestiegen sind. "Ich bin eine Witwe,
und ich muss meine fünf Kinder ernähren. Ich kann weder
lesen, noch schreiben, und niemand will mich anstellen. Ich hasse es,
eine Prostituierte zu sein, aber wenn ich damit aufhöre, werden
meine Kinder verhungern", sagt Najiba gegenüber IRIN.
Die meisten Frauen, die sexuelle
Dienstleistungen erbringen, sind ungebildete Witwen, die keinerlei
berufliche Qualifikationen besitzen, um eine andere Beschäftigung
zu finden, erklärt Malalai Usmani, Vorsitzende einer örtlichen
Frauen-NGO (Nicht-Regierungsorganisation, die Redaktion) in Balkh.
"Extreme Armut und die Notwendigkeit, ihre Angehörigen zu
versorgen, haben die Prostitution unter Frauen in die Höhe
getrieben", so Usmani.
Schwere Strafen
In Afghanistan werden sexuelle
Beziehungen zwischen Mann und Frau außerhalb der Ehe als
schweres Vergehen betrachtet, das mit dem Tod oder langer Haft
bestraft werden kann. Die Härte der Strafe hängt vom
Familienstand und weiteren Umständen ab.
Nach Angaben von Frauenrechtlerinnen
wie Usmani müssen jedes Jahr hunderte Prostituierte Haftstrafen
verbüßen, weil sie vermeintlich "ungesetzliche
sexuelle Beziehungen" unterhalten haben, sagen
Frauenrechtlerinnen wie Usmani.
"Es ist ein fürchterliches
Vergehen und ein scheußliches Verbrechen. Wir halten
Sicherheitskräfte dazu an und helfen ihnen, Frauen, die der
Prostitution nachgehen, festzunehmen und zu bestrafen", bestätigt
Fariba Majid. Sie ist Direktorin der Verwaltung für
Frauenanlegenheiten in der Balkh-Provinz.
Majid muss eingestehen, dass viele der
Sexarbeiterinnen keine andere Wahl haben. Doch sie warnt dennoch,
dass islamische Gesetze und konservative Kultur bedeuteten, dass
Prostitution "inakzeptabel" sei.
Prostituierte werden stigmatisiert und
diskriminiert: "Wir können nicht lange an einem Ort
wohnen", berichtet eine weitere Frau, die anonym bleiben möchte.
"Wir ziehen um, sobald die lokale Bevölkerung Verdacht zu
schöpfen beginnt." Sie fügt hinzu: "Wenn die
Leute von unserer Arbeit erfahren würden, dann würden sie
uns anspucken und niemand würde Umgang mit uns haben wollen."
Wenig Wissen über Aids
Afghanistan startete sein erstes
landesweites HIV/AIDS-Kontrollprogramm im Jahr 2003. Mindestens 436
HIV/AIDS-Fälle konnten laut Gesundheitsministeriums über
die letzten fünf Jahre bestätigt werden.
Gesundheitsexperten warnen, dass
Prostituierte, intravenös spritzende Drogenabhängige,
Fernfahrer und andere gefährdete Gruppen kaum über sexuell
übertragbare Krankheiten und vorbeugende Maßnahmen
informiert sind.
Mindestens drei der von IRIN
interviewten Sexarbeiterinnen sagten, dass sie auf eine mögliche
HIV-Infektion nicht achten. "Ich weiß nichts über HIV
und Aids", erzählt eine Frau, die ebenfalls anonym bleiben
wollte. "Keiner meiner Kunden hat ein Kondom benutzt."
Saif-ur-Reman, Direktor des Nationalen
HIV/AIDS-Kontrollprogramms in der afghanischen Hauptstadt Kabul sagt,
dass unter Prostituierten Kenntnisse über sexuell übertragbare
Krankheiten und HIV kaum vorhanden seien. "Wir wollen –
hoffentlich im September – ein Projekt auf den Weg bringen, um das
Bewusstsein zu erhöhen und vorbeugende Maßnahmen unter
Sexarbeiterinnen einzuführen", erklärt Reman
gegenüber IRIN. Die Verteilung
kostenloser Kondome sei ebenfalls geplant: "Es ist
ein sehr heikles Projekt. Wir werden versuchen, Vorurteilen
vorzubeugen, dass es Prostitution in Afghanistan unterstützen
oder begünstigen könne."
(Übersetzung aus dem Englischen: Carla Krüger)
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