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Schwerpunkt: Wie rot ist China? |
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Es rettet uns kein höheres Wesen |
"Die Emanzipation der Arbeiterklasse muss durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden" - diese Erkenntnis von Karl Marx gilt auch für China. Ein Kommentar von Ulrike Eifler
"Die Emanzipation der Arbeiterklasse muss durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden", hatte Marx in die Statuten der Ersten Internationale geschrieben. Dieser Satz ist das Herzstück des Marxismus.
Für Marx konnte Sozialismus nur durch die Selbstbefreiung der in Bewegung geratenen Massen verwirklicht werden. Nur wer die Freiheit mit den eigenen Händen erkämpft, wer sich selbst in den Kampf wirft, kann als Handelnder Einfluss auf Veränderung und Zukunft haben.
In China wurde versucht, den Sozialismus von oben einzuführen und eine harte Industrialisierungspolitik gegen die Arbeiter durchgesetzt. Gewerkschaften wurden gleichgeschaltet und das Streikrecht abgeschafft.
Im Juni 1989 wurde die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen, weil sie sich auf die Fabriken ausgeweitet hatte. Allein in Peking traten innerhalb von zwei Wochen 20.000 Mitglieder einer Gewerkschaft bei, die sich unabhängig von der Kontrolle der Parteiführung organisierte.
Als die Regierung das Kriegsrecht über Peking verhängte, rief diese Gewerkschaft zum Generalstreik auf und stellte damit die Machtfrage. Es dürfte also kein Zufall sein, dass nach der Niederschlagung ausschließlich Arbeiter zum Tode verurteilt wurden.
Der revolutionäre Faden der chinesischen Arbeiterbewegung wurde 1927 gekappt. Doch die harten Arbeitsbedingungen der heutigen Arbeiterklasse haben dazu geführt, dass dieser Faden wieder aufgenommen wurde. Mittlerweile gibt es über 86.000 Arbeiterstreiks pro Jahr in China.
„Dieser Kampf von unten wurde noch nie durch die Theorien von oben aufgehalten, und er hat immer wieder die Welt verändert. Irgendeine Form des Sozialismus von oben zu wählen, heißt, auf die alte Welt, auf die ‚alte Scheiße' zurückzuschauen. Den Weg des Sozialismus von unten zu wählen, heißt, den Beginn einer neuen Welt zu bejahen", schreibt der US-Sozialist Hal Draper.
China wird erst dann ein sozialistisches Land sein, wenn es neben Verstaatlichung auch Vergesellschaftung gibt, also die vollständige Kontrolle der Gesellschaft, der Wirtschaft und des Staates durch die Arbeiter. Diese aber kann nur durch die Arbeiter selbst erkämpft werden.
Zur Person:
Ulrike Eifler hat Politologie und Sinologie an der Universität Marburg studiert. 2007 erschien ihr Buch »Neoliberale Globalisierung und die Arbeiterbewegung in China« im Ibidem-Verlag.
Dieser Kommentar gehört zum Artikel:
- Großer Sprung, tiefer Fall: Eine Revolution befreite China vom Imperialismus und brachte die Kommunistische Partei an die Macht. Ulrike Eifler schildert die Grenzen dieser Entwicklung und wirft einen kritischen Blick auf Maos Marxismus
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