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Serie: Marx neu entdecken - Teil 1 |
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Die Analyse der kapitalistischen Produktionsweise beginnt mit der Analyse der Ware |
Von Elmar Altvater
Marx verfolgte, wie er im Vorwort zum „Kapital" schreibt, die Absicht, das „Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft" zu ergründen. Dazu hat er umfangreiche Literaturstudien betrieben und fremde Sprachen gelernt, wie neben dem Englischen und Französischen auch das Italienische und Russische, um Texte im Original lesen zu können. Auch empirische Forschung war ihm nicht fremd. Allerdings hat er kein Forschungsprojekt (wie heutzutage drittmittelfinanziert) durchgeführt, sondern sich in seinen Studien im „British Museum" auf Parlamentsberichte und gut recherchierte Artikel sekundäranalytisch bezogen.
Die Forschung geht der Darstellung voraus. Doch wie das „ungegliederte Ganze", die „Materialsammlung" aus der Forschungstätigkeit so ordnen, dass die „Bewegungsgesetze" erkennbar werden und Handlungsstrategien darauf bezogen werden können? Denn immerhin verstand Marx das „Kapital" auch als „das fürchterlichste missile, das dem Bürger je an den Kopf geworfen" sei - von einem Intellektuellen mit der Mission, seinen Beitrag zur Emanzipation des Proletariats zu leisten. Gleichzeitig hatte er aber auch den ästhetischen Anspruch, ein Werk vorzulegen, das „ein kunstvolles Ganzes" sei. Beides ist ihm, so kann man 125 Jahre nach seinem Tod feststellen, gelungen.
In der Forschung werden also Fakten und Interpretationen gesammelt, die in der Darstellung in eine Ordnung, in eine Reihenfolge von Argumentationsschritten gebracht werden müssen. In der Einleitung zu den „Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie" aus dem Jahre 1857 hat Marx diesen Sachverhalt beschrieben und sich für den Weg vom Besonderen zum Allgemeinen entschieden. Denn er war der Auffassung, dass das Konkrete konkret nur insofern sei, als es „die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen."1 Daher gilt es, diese Zusammenfassung vieler Bestimmungen zu identifizieren und Schritt für Schritt begrifflich zu entfalten. Deshalb beginnt der erste Band des „Kapital" mit dem Satz: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform, unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware". Im Unterschied zu früheren Gesellschaften, in denen die Produktion in erster Linie am unmittelbaren Gebrauch ausgerichtet war, herrscht im Kapitalismus die Warenproduktion für den Markt vor. Doch wie geht es weiter? Der Bogen spannt sich von der Analyse der einzelnen Ware zu den gesellschaftlichen Klassenverhältnissen (im 52. Kapitel des dritten Bandes des „Kapital"). Dies geschieht unter der Annahme, dass in der Besonderheit der einzelnen Ware wesentliche Elemente des Allgemeinen einschließlich der Klassenverhältnisse der „modernen" kapitalistischen Gesellschaft im Keim enthalten sind und daher begrifflich in der Analyse entfaltet werden können.
Diese Methode wird gemeinhin als „dialektisch" bezeichnet. So gehen aber auch moderne naturwissenschaftliche Ansätze vor, z.B. die Stammzellenforschung: Die Komplexität und Verschiedenheit von Körperzellen entfalten sich aus der embryonalen Stammzelle.
Als Gebrauchswert ein nützliches und sinnlich wahrnehmbares, als Tauschwert aber "unfassbares Ding"
Was steckt in der „Elementarform" des gesellschaftlichen Reichtums, in der Ware, wie lässt es sich begrifflich entfalten? Zunächst hat jede Ware eine qualitative Seite. Sie ist aus Naturstoffen erzeugter Gebrauchswert, mit dem menschliche Bedürfnisse befriedigt werden können; die Ware ist, wie Marx bemerkt, ein „nützlich Ding". Man könnte den Nutzen zum Gegenstand der ökonomischen Betrachtung machen, also die Beziehung des einzelnen Individuums zur Güterwelt. So geht die sogenannte neoklassische Wirtschaftstheorie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor. Der vereinzelte Mensch, der als „homo oeconomicus" konzipiert ist, steht individuell abwägend vor der Welt der Dinge und versucht mit seinem Budget (Zeitbudget oder/und Geldbudget) die maximale Befriedigung der Bedürfnisse zu erreichen. Unter der Voraussetzung, dass sich alle Akteure in dieser Weise verhalten, sei eine vernünftige Gesellschaftsentwicklung zu erwarten. Dies ist auch heute der dominante Ansatz der Wirtschaftstheorie des „mainstream".
Marx verfolgt diesen Gedanken aus zwei Gründen nicht weiter. Erstens versperrt der individualistische Ansatz des einzelnen rational kalkulierenden Subjekts vor der Welt der Dinge den Zugang zur Erkenntnis des gesellschaftlichen Charakters der Auseinandersetzung mit sich und der Natur. Individuelles Verhalten kann nur in seinem gesellschaftlichen Zusammenhang analysiert werden. Zweitens liefern die stofflichen und energetischen Eigenschaften von Gebrauchswerten, handele es sich um Dinge oder Dienste, „das Material einer eigenen Disziplin, der Warenkunde", aber die lenke von der Analyse der Gesellschaftsformation und ihrer Dynamik eher ab.
Zunächst scheint es, als ob die Bedürfnisse der Menschen und die Dinge, mit denen sie befriedigt werden, gesellschaftlich ganz unspezifisch seien. Doch ist dem nicht so. Bedürfnisse, den Hunger zu stillen oder das Dunkel aufzuhellen, können auf ganz unterschiedliche Weise befriedigt werden: mit Fleisch oder vegetarisch, mit Messer und Gabel, Stäbchen oder mit den Fingern, bzw. mit einer Ölfunzel, einer Kerze oder einer Neonröhre. Also müssen doch wieder Fragen nach der Dynamik des technischen Fortschritts, der ihn treibenden Kraft und deren gesellschaftliche Begründung, oder nach der Formung und Verformung individueller Bedürfnisse durch die Werbung gestellt werden.
Der Verweis auf individuelle menschliche Bedürfnisse und stoffliche Eigenschaften der Produkte hilft also nicht weiter. Man muss sich mit der Warenform der Produkte auseinander setzen. Das Produkt ist nur Ware, weil es gegen ein anderes für den Austausch produziertes Produkt, gegen eine andere Ware getauscht wird. Die Ware ist oder hat demnach Tauschwert. Der Tauschwert kommt einer Ware nur zu, insofern und weil sie sich in einem Verhältnis zu einer anderen Ware befindet. Letztere befindet sich in der von Marx so bezeichneten „Äquivalentform", in der sich der Wert der zum Tausch angebotenen Ware ausdrückt: Der Tisch ist zwei Stühle wert. Im Endeffekt findet der Tauschwert oder die Wertform die höchste Entsprechung in der Äquivalentform als Geldform: Der Tisch ist 200 Euro wert. Das Geld ist demnach in der Marxschen Theorie kein erfundenes Medium, sondern in der Form der Ware bereits enthalten. „Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte einer anderen Art austauschen, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives, ein der Ware innerlicher, immanenter Tauschwert also eine contradictio in adjecto [ein Widerspruch in sich]."2 Und an anderer Stelle bemerkt er, dass man, wenn man das Wertverhältnis der beiden Waren nach ihrer „qualitativen Seite" betrachtet, man in jedem einfachen Wertausdruck das Geheimnis der Wertform und daher auch des Geldes entdeckt. „Die einfache Wertform ist daher der Keim der Geldform."3 Dies bedeutet auch, dass man das Geld nicht abschaffen kann, ohne die Warenform abzuschaffen, und dass eine Kritik des Finanzmarktkapitalismus heutzutage zu kurz greift, wenn sie nicht auf die kapitalistische Warenproduktion insgesamt zielt.
Wenn von Tauschwert gesprochen wird, kann also nicht mehr von der Ware im Singular sondern nur noch von den Waren im Plural die Rede sein. Wenn aber ganz unterschiedliche Waren gleichgesetzt werden, dann muss in ihnen auch etwas Gleiches enthalten sein: „Der Tauschwert kann überhaupt nur die Ausdrucksweise, die ‘Erscheinungsform' eines von ihm unterscheidbaren Gehalts sein."4 Was ist nun dieses Gemeinsame? Natürlich könnte man sagen, dass jenes Gemeinsame die „Seltenheit", die „Nützlichkeit" etc. sei. Doch die Seltenheit ist es nicht, die Dinge (und Dienste) tauschbar macht. Sie müssen durch Arbeit aus dem Zustand der Seltenheit in den der tauschfähigen Ware gehoben werden. Die Nützlichkeit ist keine Eigenschaft von Waren, sondern von Dingen, mit denen Menschen Bedürfnisse befriedigen. Also macht die Nützlichkeit ein Ding zum Gebrauchswert, und dieser ist Bedingung dafür, dass Dinge Waren werden können. Ist also der Gebrauchswert das Gemeinsame der Waren? Wohl kaum, denn von ihm wird gerade im Tauschprozess erstens abstrahiert und zweitens ist es nicht die Gemeinsamkeit der Qualität des Gebrauchswerts, die den Tausch veranlasst, sondern die Verschiedenheit der Gebrauchswerte.
Kann das Gemeinsame der Energieaufwand (beispielsweise in Kilowatt-Stunden gemessen) sein, der zur Herstellung des Tauschwerts benötigt wurde? Dieses Gemeinsame würde gerade von der gesellschaftlichen Form des Wertes abstrahieren, die es zu erklären gilt. Denn Energie und stoffliche Elemente sind Gemeinsames von Produkten in jeder Produktionsweise. Sie bilden als resultierende Gebrauchswerte „den stofflichen Inhalt des Reichtums, welches immer seine gesellschaftliche Form sei."5 Für Marx konstituiert daher eine andere Eigenschaft das Gemeinsame: es ist die Arbeitskraft, die (kapitalistische) Ware produziert; die Gemeinsamkeit der Waren ist ihre Qualität als von Menschen erzeugte „Arbeitsprodukte".
Die kapitalistische Gesellschaft ist zugleich Arbeits- und Geldgesellschaft
Waren werden also durch Arbeit, unter Zuhilfenahme von Produktionsmitteln (etwa Maschinen) erzeugt. Das ist ein Umwandlungsprozess von natürlichen Stoffen in Gebrauchswerte, die Bedürfnisse befriedigen können. Über die Qualität und Berechtigung so mancher Bedürfnisse könnte man lange streiten. Doch das ist hier nicht das Thema. Um den spezifisch gesellschaftlichen Charakter Waren produzierender Arbeit zu verstehen, wird von Marx die Unterscheidung von „konkreter" und „abstrakter" Arbeit entwickelt. Darauf wird später (in der zweiten Folge) genauer einzugehen sein.
Die Widersprüchlichkeit der Warenform hat, seitdem „das Kapital" vor 140 Jahren publiziert worden ist, zu Kontroversen Anlass gegeben. Kommt der Wert der einzelnen Ware zu und welches ist seine Substanz, wenn nicht die in die Ware bei ihrer Produktion „inkorporierte" einfache Durchschnittsarbeit, gemessen in Arbeitszeiteinheiten? Oder ist der Wert das Verhältnis der Waren im Austausch, gründet also die Wertform in der Zirkulation?
Mit dem Geld, in das sich die für den Austausch produzierte Ware verwandelt, ist die quantitative Steigerung per se möglich geworden. Auch die Rationalität, die ihr zugrunde liegt, wird damit begründet. Denn alle qualitativen Unterschiede der vielen Gebrauchswerte werden auf eine Dimension gebracht, in der der quantitative Unterschied zählt. Die quantitative Steigerung des Geldes aber macht es zum Kapital, wenn der Zuwachs real als Mehrwert durch die Arbeit produziert wird. Marx zufolge entsteht der Wertzuwachs („Mehrwert") in der Produktion, also bevor die Ware auf dem Markt getauscht wird. Denn es existiert eine besondere Ware, die den spezifischen Gebrauchswert hat, den Wert von Waren zu steigern. Diese Ware ist die menschliche Arbeitskraft. Die produktive Kapazität des Menschen bzw. dessen ökonomische Ausbeutung (die dadurch entsteht, dass ein Arbeiter für seine Arbeitskraft grundsätzlich weniger an Wert erhält, als er durch seine Arbeit produziert) erklärt das „Mehr" des Wertes im Kapitalismus, aus dem sich dessen Dynamik ableitet.
Das gesellschaftliche Wert- und Geldverhältnis kann natürlich nicht quantitativ gesteigert werden, wohl aber ist dies möglich mit seiner Substanz. Die Wertsubstanz muss produziert werden, daher ist das gesellschaftliche Verhältnis des Werts ohne Rückgriff auf seine Substanz - die Arbeit - nicht zu rekonstruieren. Und da die Produktion in jedem Fall eine Umformung des natürlichen Reichtums in ökonomischen Wohlstand ist, kann dabei vom gesellschaftlichen Naturverhältnis nicht abstrahiert werden. Umgekehrt reproduziert die Arbeit gerade bei der Vergrößerung der Substanz das gesellschaftliche Verhältnis von Wert, Ware und Kapital. Im Reproduktionsprozess, so Marx, reproduziert sich also auch der Arbeiter in seiner untergeordneten Stellung gegenüber dem Kapital; es wird durch Arbeit des Arbeiters das Klassen- und Herrschaftsverhältnis reproduziert - ob er will oder nicht, ob es ihm bewusst ist oder nicht.
Die kapitalistische Gesellschaft ist also Arbeits- und Geldgesellschaft. Das Wertverhältnis wird durch Arbeit produziert und reproduziert. Doch die Produktion ist zunächst eine private Veranstaltung, ihren gesellschaftlichen Charakter erfährt sie dadurch, dass sie für den Austausch erfolgt und dass dieser Austausch der Ware (letztlich) gegen Geld tatsächlich gelingen muss. Die Analyse der Wertform der Ware muss also zur Analyse der Arbeit und des Geldes fortschreiten.
Die Ware, eine Art "Stammzelle" der entwickelten kapitalistischen Produktionsweise
Mit dem „Doppelcharakter" der Arbeit setzt sich Marx im zweiten Unterabschnitt des ersten Kapitels des „Kapital" auseinander. Der erste Band ist ganz dem „Produktionsprozess des Kapitals" gewidmet. Dieser wird durch die Arbeit in Gang gehalten. Er ist als Prozess der Ausbeutung organisiert.
Mit der Form und Zirkulation des Geldes beschäftigt sich Marx im Anschluss an die Analyse der Ware. Die verselbständigten Formen des Geldes werden dann im dritten Band des „Kapital" ins Zentrum gerückt, nachdem im zweiten Band der „Zirkulationsprozess des Kapitals" behandelt worden ist. Die beiden Aspekte der Wertform, Produktion und Zirkulation, werden also intensiv ausgeleuchtet, bevor im dritten Band des „Kapital" diese beiden Seiten in der Darstellung des „Gesamtreproduktionsprozesses des Kapitals" zusammengeführt werden. Hier geht es um jene gesellschaftlichen Formen, die einerseits eine weitere Ausdifferenzierung der Kategorien von Produktion und Zirkulation ermöglichen. Der Wert verwandelt sich in Produktions- und Marktpreis, der Mehrwert in Profit, die Elemente des zirkulierenden Kapitals in fixe und variable Kosten und die branchenmäßige Ausdifferenzierung des Kapitals lässt das industrielle und Kaufmannskapital entstehen. Auch das Geld als Geld entwickelt sich weiter zum Kreditwesen und zum „zinstragenden Kapital", das seine eigenen „financial instruments" hervorbringt, die sich gegenüber dem industriellen Kapital zu verselbständigen tendieren. Auch die Verteilung des Wertprodukts steht zur Debatte, so dass am Ende der Analyse des „Kapital" die Klassenfrage, die Frage nach der personellen und funktionellen Einkommensverteilung zwischen Lohnarbeit, verschiedenen Kapitalformen und Grundbesitz gestellt werden kann.
Am Anfang ist die Analyse der Ware. Diese führt uns im Wege der begrifflichen Entfaltung zur Analyse der konkreten Verhältnisse des historischen Kapitalismus. Auch wenn der moderne, finanzgetriebene und globalisierte Kapitalismus ganz neue Erscheinungsformen hervorgebracht hat, die zu Zeiten von Marx nicht existierten, sind diese in der Ware als „Zellenform" so enthalten wie in der „Stammzelle" die konkreten Zellen, die die Vielfalt der menschlichen Organe bilden. Stammzellenforschung gilt als höchstmodern, die Forschung über die ökonomischen Zellenformen des konkreten, modernen Kapitalismus als altmodisch. Dies ist ein Ausdruck von Ignoranz oder auch des „Fetischismus" der Warenwelt, dem auch Naturwissenschaftler erliegen können.
Zum Autor:
Elmar Altvater ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Er arbeitet im wissenschaftlichen Beirat von attac und ist Mitglied von DIE LINKE.
Zur Serie:
Warum sich 2008 mit Marx beschäftigen, 125 Jahre nach seinem Tod 1883? Wir folgen keiner Mode, die von jenseits des Atlantik kommt, weil an US-Universitäten, anders als hierzulande, immer noch Marx gelehrt wird und nicht die letzten Traditionen der Marxforschung und kritischen Theorie ausgemerzt werden.
Nein, es geht um die Befähigung zur Kritik der Gesellschaft, zur theoretisch reflektierten politischen Praxis. Der französische Sozialwissenschaftler Pierre Bourdieu hat einmal die globalisierungskritische Bewegung als eine große Kampagne der „ökonomischen Alphabetisierung" bezeichnet. Tatsächlich ist es schwer, die Entwicklung auf den globalen Arbeitsmärkten, die Krisen der Finanzmärkte, die Auseinandersetzungen um die Energieversorgung, die Handelskonflikte oder den militärischen Zugriff auf ganze Weltregionen oder die Unterwerfung der Bildung an den Hochschulen unter betriebswirtschaftliches Kalkül ohne die „Kritik der politischen Ökonomie" (das ist der Untertitel des Marx'schen Kapitals) zu verstehen und politisch relevante Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.
Es gab und es gibt gute Gründe, sich in kritischer Auseinandersetzung geeignete Begriffe zu erarbeiten, um sinnvoll politisch eingreifen zu können. Marx hat das „Kapital" als „fürchterlichstes missile" bezeichnet, das dem Bürgertum an den Kopf geworfen wurde. Aneignen, begreifen, eingreifen - das geschieht nicht nacheinander, sondern im Wechselspiel. Die Motivation, sich die Marx'schen Begriffe anzueignen, entsteht ja in politischen Auseinandersetzungen.
marx21 hat ein Angebot zur Einführung in einige zentrale Begriffe der Marx'schen Kritik der politischen Ökonomie vorbereitet. In den Heften des Jahrgangs 2008 wird jeweils ein Thema präsentiert und diskutiert. Einige wenige Literaturangaben zum Weiterlesen sollen die Arbeit der Aneignung der Themen erleichtern. Die Originalzitate stammen alle aus Marx Engels Werke (MEW). Der Grund ist praktischer Natur. Die MEW (die „blauen Bände") sind immer noch gebräuchlicher und leichter zugänglich als die Marx Engels Gesamtausgabe (MEGA).
Anmerkungen und Literatur:
1 Karl Marx: Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1953, S. 21.
2 Karl Marx: Das Kapital, Bd.1, in: Karl Marx und Friedrich Engels: Werke (MEW), Bd. 23, Berlin 1970, S. 50f.
3 MEW 23, S. 85.
4 MEW 23, S. 51.
5 MEW 23, S. 50.
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