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4. März: Arbeitskampf |
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Öffentlicher Dienst: 50.000 im Warnstreik |
Mit einer neuen Welle Warnstreiks im öffentlichen Dienst macht ver.di vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde Druck. Ein Bericht aus Berlin
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Auf den roten Streik-T-Shirts steht, was man wissen muss, um diesen Arbeitskampf zu verstehen: "Alles
wird teurer". Dann folgt ein Beispiel, auf jedem T-Shirt ein
anderes: "+25,8% Milch" steht auf einem, "+10,3% Benzin"
auf einem anderen.
 Alles wird teurer: ver.di fordert 8% mehr Lohn und Übernahme der Auszubildenden. Im Bild: Streikende der Berliner Stadtreinigung
Rund 50.000 Kolleginnen und Kollegen des
öffentlichen Dienstes aus 10 Bundesländern sind heute in
den Warnstreik getreten. Aufgerufen waren die Beschäftigten von
Bund und Kommunen im Norden und Osten Deutschlands. Morgen und
übermorgen wird im Norden und Süden gestreikt sowie bei den
Flughäfen.
In Berlin haben 7500 Kolleginnen und
Kollegen der Wasserbetriebe (BWB) und der Stadtreinigung (BSR) seit
Betriebsbeginn gestreikt. Rund 2000 haben an der zentralen
Streikveranstaltung vor der BWB-Unternehmenszentrale teilgenommen. Lutz
Neetzel steigt gut gelaunt die Stufen der Kundgebungsbühne
hinauf und lächelt. Als er die Streikenden begrüßt,
donnert ihm Applaus entgegen. Kämpferisch ist er und so redet er
auch. Lapidar, lautstark bringt der Personalrat des Bereiches
Abwasser zum Ausdruck, was die meisten denken: dass es nicht mehr so
weiter gehen kann, dass man sich wehren muss. Über 1000
Arbeitsplätze seien in den letzten Jahren bei den
Wasserbetrieben abgebaut worden, sagt er. Für die verbleibenden
Beschäftigten sei die Arbeit dadurch härter und stressiger
geworden. „Neueinstellungen, das ist ein Schimpfwort bei den
Berliner Wasserbetrieben", so Neetzel weiter.
"Mehr Ausbildungsplätze"
Er beschwert sich über den
Bundesinnenminister Schäuble, der härtere Strafen für
kriminelle Jugendliche fordert. Stattdessen, so Neetzel, sollte
Schäuble, der für den Bund als Arbeitgeber die
Tarifverhandlungen führt, lieber darüber nachdenken, ob es
nicht sinnvoller wäre, den Jugendlichen eine Perspektive zu
bieten. Da müsse der öffentliche Dienst mit gutem Beispiel
voran gehen, Ausbildungsplätze schaffen und die Auszubildenden
auch übernehmen.
Neben der ver.di-Forderung von 8
Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich, steht die
Verbesserung der Lage der Azubis im Zentrum. ver.di fordert die
unbefristete Übernahme aller Auszubildenden, 120 Euro mehr
Ausbildungsvergütung und die Angleichung der Ausbildungsentgelte
im Osten an das West-Niveau. Das findet den Beifall der Jugendlichen,
die sich mit Transparenten an der Streikkundgebung vor der
BWB-Zentrale beteiligen.
Und dann macht Lutz Neetzel, der
auch Mitglied der Tarifkommission für die Versorgungsbetriebe
ist, klar, warum er lächelt und worüber er sich freut: Seit
1992 haben die Beschäftigten der BWB keinen ganztägigen
Warnstreik mehr durchgeführt. Heute aber hat es geklappt, Seite
an Seite mit den Kolleginnen und Kollegen der BSR. Letztere haben
übrigens auch die Müllverbrennungsanlagen dichtgemacht -
damit der private Abfallentsorger Alba AG keinen Müll abliefern
und den Streik unterlaufen kann.
Arbeitgeber wollen längere Arbeitszeit
 Niemand begeistert sich für das Angebot der Arbeitgeber: Nur wenig mehr Geld bei längerer Arbeitszeit. Im Bild: Streikkundgebung in Berlin
Bisher haben die Arbeitgeber auf stur
gestellt und kein verhandelbares Angebot vorgelegt. Angeblich bieten
sie 5 Prozent mehr Lohn an. In Wirklichkeit sollen die 1,3 Millionen
Beschäftigten bei Bund und Kommunen auf das Jahr 2008 gerechnet
eine Einkommenserhöhung von 2,5 Prozent erhalten, für 2009
sogar nur 0,41 Prozent. Das gleicht nicht mal die
Preissteigerungsrate aus, hat ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske
betont.
Dazu wollen die Arbeitgeber die
Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche erhöhen. Auch das lehnt
ver.di ab: "Wir haben 3,4 Millionen Arbeitslose. Jede Minute
zusätzliche Arbeitszeit führt zu weiteren
Stellenstreichungen", sagte Bsirske der „Bild am Sonntag".
Unbefristete Streiks?
Falls die Arbeitgeber bei der nächsten
Verhandlungsrunde ab Donnerstag kein besseres Angebot vorlegen, droht
ver.di mit unbefristeten Streiks.
Das findet bei den Kolleginnen und
Kollegen viel Beifall, denn der Unmut ist groß. Im öffentlichen
Dienst sind die Einkommen in den letzten Jahren deutlich unter denen
in der Privatwirtschaft geblieben. Vielerorts soll weiterhin Personal
abgebaut werden. Nach Reallohnverlusten in den vergangenen Jahren,
angesichts guter Konjunktur und steigender Steuereinnahmen sei nun
Zeit für deutlich höhere Einkommen im öffentlichen
Dienst, sagt ver.di.
Vor allem die Beschäftigten in den
unteren Entgeltgruppen brauchen laut ver.di mehr Geld zum Leben. "Um
über die Runden zu kommen, müssen viele von ihnen
inzwischen zusätzliche Arbeitsstellen annehmen, private
Insolvenzen anmelden oder Sozialhilfe beantragen", begründet
ver.di die Forderung nach einem Mindestbetrag von 200 Euro mehr Lohn
im Monat.
(Text und Fotos: Frank Eßers)
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