Die Immobilienkrise in den USA hat sich zu einer weltweiten Finanzkrise
ausgeweiten. Chris Harman beleuchtet die Hintergrund der Krise
„King warnt vor Rettungsaktionen"
Überschrift der Financial Times vom 13. September zu
einer Rede des britischen Notenbankpräsidenten Mervyn King.
„Bank interveniert, um Northern Rock zu retten"
Überschrift der Financial Times vom 14. September
zur Rettungsaktion der Bank of England zugunsten der Hypothekenbank Northern
Rock
Diese beiden Überschriften weisen auf den Ernst der Lage
hin, seitdem im August die Finanzmärkte ins Trudeln geraten sind. Damals
sprachen viele Kommentatoren von einer kurzfristigen Panik, die sich nach der
Zinssenkung durch die US-Notenbank um einen Prozentpunkt am 18. August wieder
legen werde. Andere wiederum, darunter überzeugte Befürworter des Kapitalismus
wie Martin Wolf von der Financial Times, verstanden sehr wohl, dass sich
dahinter tiefer sitzende Probleme verbargen. „Die gegenwärtige Kreditkrise",
schrieb Wolf, „ist weit mehr als nur das Symptom eines defekten Finanzsystems.
Es ist auch das Symptom einer unausgeglichen Globalwirtschaft." [1]
Über die unmittelbare Ursache der Panik war man
sich weitgehend einig. Während der Erholungsphase nach der US-Rezession von
2000-2002 entdeckten die Geldbesitzenden (herkömmliche Banken, neuere Finanzgruppen
wie Hedgefonds und reiche Individuen mit einigen Millionen auf der hohen
Kante), dass sie ihren Reichtum vermehren konnten, indem sie zu niedrigeren
Zinsen Geld borgten, um es anderen zu leihen, die bereit waren, dafür höhere
Zinsen zu zahlen. Vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung, die Sehnsucht
nach einem Eigenheim hatten oder bislang als kreditunwürdig gegolten hatten,
waren dazu bereit. Solange die Hauspreise stiegen, erschienen sie als eine
sichere Kundschaft, denn man konnte immer noch einen Profit aus
Zwangsversteigerungen herausschlagen, falls sie mit ihren Rückzahlungen in
Verzug geriet. Dieses Kreditgebaren wurde bald als „Markt für zweitklassige
Hypotheken" bekannt.
Hinzu kamen weitere spekulative Formen der
Kreditvergabe, beispielsweise um auf steigende Warenpreise (vor allem Öl und
Metalle) zu setzen, und neuerdings die Fremdfinanzierung von außerbörslichen
Firmenübernahmen. Enorme Geldsummen konnte man borgen, um gigantische
Unternehmen aufzukaufen, in der Annahme, durch „Umstrukturierung", also
Entlassungen und Schließungen, die nötigen Zusatzprofite generieren zu können,
um die Schuldentilgung zu decken.
Dabei handelte es sich nicht um einen
einmaligen Akt der Kreditvergabe, sondern vielmehr um eine sich ständig
erweiternde Kette des Borgens, um weiter leihen zu können. Die Finanzierer der
Hypothekenmärkte holten sich das nötige Geld auf anderen Märkten, und ihre
Gläubiger handelten genauso. Jede Stufe basierte auf der altbekannten Technik
des „Leverage", der Fremdkapitalaufnahme von Geldsummen, die die
Kreditfähigkeit des Schuldners bei weitem übersteigen, in der Annahme, dass bis
zum Zeitpunkt der Rückzahlung gestiegene Geldmittel zur Verfügung stehen
werden.
Letztes Jahr begann die US-Wirtschaft
abzukühlen. Vor dem Hintergrund fallender Profite entließen Firmen Arbeiter
wieder, die sie erst zwei oder drei Jahre zuvor eingestellt hatten.
Hunderttausende armer Amerikaner konnten mit den steigenden Hypothekenzinsen
nicht mehr Schritt halten, die Kreditrückzahlungen an dem einen Ende der Kette
blieben aus. Die damit einhergehenden Zwangssteigerungen ließen ihrerseits die
Hauspreise sinken, und somit den Wert der Darlehenssicherheiten. Ein ungeheurer
Schuldenberg von 400 Milliarden US-Dollar war auf einmal nicht abzubauen.
An jedem Glied der Kette der Kreditaufnahme und
-vergabe mussten Hypothekengeber, Hedgefonds und Banken die schmerzliche
Erfahrung machen, dass sie die aufgenommenen Kredite nicht zeitnah zurückzahlen
konnten. Davon betroffen waren keineswegs nur kleine Hypothekenmakler. Die
riesige US-amerikanische Bank Bears Stearns musste tief in die Tasche greifen,
um zwei mit ihr liierte Hedgefonds vor dem Bankrott zu wahren. Zwei deutsche
Banken konnten nur durch Übernahme vor dem Untergang bewahrt werden. Dann
stellte sich heraus, dass Barclays „durch mehrere hunderte Millionen Dollar an
nicht wieder einholbaren Krediten durch ihr Anlagebankgeschäft" belastet war.
Und als wir in Druck gingen, erfuhr man, dass Großbritanniens fünftgrößte
Hypothekenbank, Northern Rock nur dank der Nothilfe der Bank of England in der
Lage war, ihre Kleinsparer
auszubezahlen, die vor ihren Filialen landauf landab Schlange standen.
Ketten der spekulativen Kreditaufnahme und
-vergabe sind so alt wie der Kapitalismus selbst. Sie kennzeichnen den Zeitpunkt
im Zyklus des Ab-, Auf- und Abschwungs, wenn die Erholungsphase den Glauben
fördert, dass die Expansion grenzenlos sei. Ausnahmslos folgten darauf
plötzliche Panikstimmungen, sobald es den Anschein hatte, dass dieser Glaube
womöglich unberechtigt sein könnte. So geschah es im Wall Street Crash von 1929
(eine Folge der Spekulationen um Grundstücke und Aktien), im Börsenkrach vom
Oktober 1989, in der Asienkrise und dem Panikausbruch um den Hedgefonds Long
Term Capital Management vor zehn Jahren.
Diese Verwerfungen haben nicht unbedingt
unmittelbare Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Finanzspekulationen sind
eine parasitäre Aktivität, um eine oder zwei Ecken entfernt vom realen Vorgang
der Profitschöpfung und -akkumulation auf der Grundlage der Ausbeutung der
produktiven Arbeit. Wie es so schön im Gedicht heißt: „Große Flöhe haben kleine
Flöhe, / Die sie kräftig beißen, / Und die kleinen noch viel klein're Flöhe, /
Und so immer weiter." [2]
Der Tod des kleineren Parasiten schadet nicht unbedingt dem größeren.
Die unmittelbare Gefahr, die eine solche
Finanzpanik in sich birgt, ist, dass sie jene nichtspekulativen Ketten der
Kreditaufnahme und -vergabe - eine Begleiterscheinung der meisten Akte des
Kaufens und Verkaufens, einschließlich des Ankaufs von Produktionsmitteln,
Anlagen und Rohstoffen für die reale Produktion - in Mitleidenschaft ziehen
kann. Wenn Firmen, die bislang als zuverlässig galten, ihre Schulden nicht mehr
zurückzahlen können, wird jeder Kapitalist sich fragen, ob Firmen, mit denen
sie im Geschäft stehen, zahlungsfähig sind. Sie werden dazu tendieren, Bares
auf die Hand oder aber wesentliche höhere Zinsen zu verlangen für Kredite, die
sie ihnen gewähren. Zwei Tage nach Ausbruch der Krise berichtete die Financial
Times:
"Hunderte US-Firmen werden mit steil steigenden
Kosten für kurzfristige Schulden konfrontiert, mit denen sie ihr Tagesgeschäft
finanzieren ... Führungskräfte und Wall Street Analysten sagen, dass ein
Kreditengpass mehrere Unternehmen zwingen könnte, ihre Beteiligung am
$200-Milliardenmarkt für Handelspapiere (commercial paper[3])
zu reduzieren ... Eine breite Palette von Firmen, darunter Walt Disney, ITT,
Heinz und Motorola, haben Schulden in Zigmillionenhöhe." [4]
Eine „Kreditknappheit" war dafür verantwortlich, einige der
Kettenglieder des Leihens und Borgens zu brechen, die die Produktion und den
Verkauf im ganzen System miteinander verknüpfen. Um sie zu reparieren, sind die
US- und die europäische Zentralbanken eingeschritten mit dem Versprechen, jeder
Großbank mit ernsthaften Problemen zu helfen. Damit sollte der unmittelbaren
Panik Einhalt geboten werden. Tatsächlich gelang es, sie mit Ausnahme der
spezialisierten Finanzblätter aus den Titelseiten der Tageszeitungen zu
verbannen, und die Aktienmärkte erholten sich eine Zeitlang wieder. Damit war
aber das allgemeine Vertrauen in das Kreditsystem noch lange nicht wieder
hergestellt. Kommentatoren sprachen von „versteckten Leichen" -
Hypothekenmaklern, Banken und Hedgefonds, die die enormen Summen, die sie in
zweifelhafte Kredite gesteckt hatten, verschwiegen.
Eine solche versteckte Leiche war Northern
Rock, „das Lieblingskind einer glitzernden Dinerparty in der City, auf der sie
wegen ihres innovativen Finanzgeschicks mit Lob überhäuft wurde" [5].
Das war im Januar. Wir können mit weiteren Leichen in den kommenden Wochen
rechnen, als Folge fallender Hauspreise in den USA (und höchst wahrscheinlich
auch in Großbritannien), die es für die Gläubiger zunehmend schwerer machen,
ihre Schulden zurückzuzahlen. Daher die Voraussage, dass die Krise zu fallenden
Wachstumsraten in den USA und anderswo führen wird.
Hinter den Sorgen der Finanzinstitutionen
verbergen sich tiefere Probleme. Die Kredit- und Schuldenwelle, die in die
Augustkrise mündete, hatte ihrerseits ihre Wurzeln in der Beschaffenheit der
Erholung von der Asienkrise von 1997/98 und der US-Rezession von 2000-2002.
Die Asienkrise bewirkte, dass Regierungen wie
Unternehmen in der Region ihre Ausgaben weit unter ihren Einnahmen deckelten.
Nachdem sie einmal von plötzlichen Fluktuationen im Weltsystem erfasst worden
waren, strebten sie nach Überschüssen als Schutz vor einem nächsten Mal.
Anstatt ihre gesamten Gewinne neu zu investierten, sparten sie einen Teil
davon. China ist das bemerkenswerteste Beispiel. Fast fünfzig Prozent der
Landesproduktion fließen in „Ersparnisse" (Geld, das nach der Begleichung aller
Ausgaben, für Löhne beispielsweise, übrig bleibt). Neun Zehntel hiervon, also
45 Prozent der Gesamtproduktion, werden akkumuliert, um noch mehr zu
produzieren, aber etwa ein Zehntel wird gespart. [6]
I
In der Regel bedeutete das Kreditvergaben an das US-Schatzamt (das Aufkaufen
von Staatsanleihen), womit es die US-Regierungsausgaben mitfinanzierte, oder
Kredite an US-Banken, die ihrerseits an US-Konsumenten weiterliehen. [7]
Tatsächlich überqueren hunderte Milliarden Dollar den Pazifik jährlich, um die
Kreditvergaben in den USA zu finanzieren.
Bis zur US-Rezession von 2001-2002 borgten sich
Firmen Geld teilweise für produktive Investitionen. Nachdem sie von den Aufs
und Abs ihres eigenen Systems erfasst wurden, investieren sie mittlerweile
nicht mehr ihre gesamten Profite, sondern „sparen" einen Teil, den sie im
Bankensystem deponieren. Martin Wolf: „Sechs Jahre lang hat die
US-Geschäftswelt weniger investiert, als sie netto verdient hat. Unternehmen waren
von Kreditnehmern zu Kreditgebern geworden." Ein Teil dieser Kredite landete in
den Taschen von US-Arbeitern und der Mittelschicht, die sich Sachen kaufen
konnten, die sie sich sonst nicht hätten leisten können: „US-Haushalte ... haben
sich noch weiter verschuldet ... Im Jahr 2006 summierte sich ihre laufende
Neuverschuldung auf insgesamt vier Prozent des Bruttoinlandproduktes." [8]
Die Hauptsorge von Martin Wolf und
seinesgleichen ist nicht, dass sich das Finanzsystem womöglich von der realen
Produktion abgekoppelt haben könnte, sondern vielmehr, dass die Ausdehnung der
realen Produktion zunehmend von massiven Kreditaufnahmen durch US-Konsumenten
abhängt, da weder in Ostasien noch in Südasien noch in den USA alle Profite
direkt investiert werden auf eine Weise, die die gesamte überschüssige
Produktion absorbieren könnte, nachdem die Arbeiter ihre Löhne ausgegeben
haben. Enorme Produktionsmengen weltweit fänden keine Käufer, so dass es zu
einer tiefen Krise kommen würde, wenn es nicht diese Kredite gäbe, die es US-Haushalten
ermöglichen, über ihre Verhältnisse zu leben (auch britischen Haushalten, deren
Bedeutung für das Weltsystem allerdings wesentlich geringer ist).
Ein richtiges Verständnis der gegenwärtigen
Entwicklung bliebe unvollständig, wenn es lediglich auf die „Ungleichgewichte"
zwischen Sparen und Investitionen weltweit fokussierte, wie es die
pessimistischeren unter den Redakteuren der Wirtschaftsseiten tun. Die
Ungleichgewichte sind ihrerseits Ausfluss eines tiefer sitzenden Problems.
Seit mehr als drei Jahrzehnten hat sich der
Kapitalismus als unfähig erwiesen, ausreichend hohe Profitraten zu generieren,
um Investitionstätigkeiten im nötigen Ausmaß anzuregen, um eine stetige und
gleichmäßige kapitalistische Expansion aufrechterhalten zu können. [9] Daher die wiederkehrenden Krisen der 1970er, 1980er, 1990er und der beginnenden
2000er.
Weltweit hat das Kapital versucht, ihre Profite
durch Lohndruckerei, Sozialkürzungen und Arbeitsintensivierung
wiederherzustellen. Ein neuerlicher Bericht der OECD zeigt auf, dass die
Lohnquote in der gesamten fortgeschrittenen kapitalistischen Welt fällt. [10]
Die Überwindung der US-Rezession von 2000-2002 beispielsweise war damit
verbunden, dass Firmen einen Teil ihrer erlittenen Verluste durch Angriffe auf
die Belegschaften wieder wettmachten: Bis vor Jahresfrist wurden die Reallöhne
gedrückt und die Produktion erhöht, ohne die während der Rezession entlassenen
Arbeiter wieder einzustellen. [11]
Die Weigerung Chinas, den Yuan gegen den Dollar aufzuwerten, bedeutet im
Endeffekt ein Niederhalten der Kaufkraft chinesischer Arbeiter und Bauern
bezogen auf Produkte, die zu internationalen Preisen gehandelt werden
(einschließlich jener, die in chinesischen Fabriken oder landwirtschaftlichen
Betrieben hergestellt werden).
Dieser auf die Arbeiter ausgeübte Druck hat
bewirkt, dass etwa die Hälfte des in den 1960er und 1970er erlittenen Verfalls
der Profitabilität wieder wettgemacht werden konnte. Die Kehrseite davon ist
allerdings eine Beeinträchtigung des Marktes für Güter, die aus Löhnen bezahlt
werden. Damit tat sich eine Lücke zwischen Produktion und Endkonsum auf, die
nur durch eine entsprechende Steigerung der Investitionen auszufüllen wäre. Das
ist allerdings ausgeblieben, weil die Erholung der Profite nicht ausgereicht
hat, um das gesamte System nach vorne zu ziehen, wie einst der Fall war. Die
Akkumulationsrate im gesamten System liegt etwas tiefer als zu irgendeinem
Zeitpunkt der 1980er oder 1990er Jahre, geschweige denn der 1970er Jahre, [12] trotz der boomenden chinesischen Wirtschaft. Weltweit besteht eine
Nachfragelücke nach Gütern, die bisher durch massive Anleihen seitens der
US-Regierung und von US-Konsumenten gefüllt werden konnte.
Der britische Marxist Tony Cliff pflegte zu sagen, dass die Welt von
zwei Gefahren eingezwängt wird: der Skylla fallender Profitraten und der
Charibdis der Überproduktion. [13] Daher die zentrale Bedeutung der US-Kreditaufnahme und die enorme Gefahr, die
eine Kreditverknappung darstellt.
Was erwartet uns in naher Zukunft? Regierungen
und Zentralbanken haben interveniert mit dem Ziel, das Vertrauen in das
Finanzsystem wieder herzustellen. Dem Neoliberalismus als Ideologie mag das
nicht schmecken, aber die Praxis der kapitalistischen Akkumulation verlangt
danach. Die Großunternehmen und Banken sind in Zeiten der Krise nach wie vor von
Staatshilfen abhängig, und die Staaten beeilen sich, diese Erwartung zu
erfüllen.
Das geschieht aber nicht ohne bittere
Auseinandersetzungen. Die Bank of England kritisierte öffentlich das schnelle
Eingreifen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank - verhielt sich
aber genauso, sobald ein britisches Unternehmen ernsthaft gefährdet war. Chris
Giles von der Financial Times bemerkte: „Noch nie hat der Ruf und die
Glaubwürdigkeit Mervyn Kings, dem Gouverneur der Bank, von einem so dünnen
Faden gehängt." Diese Entwicklung wird Gordon Brown nicht erfreuen, der so viel
Vertrauen in das „unabhängige" Urteilsvermögen der Bank gesetzt hat.
Manche Finanzleute, Industrielle und Ökonomen
sind der Meinung, dass ohne Intervention eine Rezession unabwendbar sei. Andere
wiederum entgegnen, dass Interventionen nur den Effekt haben können, die
Finanzinstitutionen zu noch weiteren Risikokrediten zu ermuntern in der
Annahme, dass die Zentralbanken ihnen stets aus der Patsche helfen werden. Das
müsse zu einer noch schärferen Krise in wenigen Jahren führen. Zwischen beiden
Lagern erheben sich beunruhigte Stimmen, die in der Logik der Intervention die
Gefahr wittern, dass die Zentralbanken die Verantwortung übernehmen für
sämtliche zur Wahrung des Systems vor einer Rezession notwendigen Kredite, die
aber noch größere Verwerfungen als bisher befürchten im Fall einer
Nichtintervention.
Die US-Notenbank steht diesmal vor einem noch
größeren Problem. Eine Herabsetzung der Leitzinsen, um die Kreditkrise zu
mildern, könnte zum Abwandern mancher ausländischer Anlagen führen. Der
Dollarkurs fällt bereits seit einiger Zeit, und manche Kommentatoren
befürchten, dass niedrigere Zinsen seinen Kollaps herbeiführen könnten. Das
würde die Fähigkeit der USA, einen Markt für die Aufnahme der weltweiten
Überschüsse zu bieten, weiter mindern.
Es sind immer noch zu viele Unbekannte im
Spiel, um sichere Prognosen zu wagen. Eins steht allerdings fest. Jede große
Krise der vergangenen drei Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die Ökonomie auf
einmal die konzentrierte Gestalt der Politik annimmt.
Regierungen und Zentralbanken können nicht
einfach beiseite stehen, während „ihre" Großkapitalien ausgelöscht zu werden
drohen. Andererseits birgt jede Intervention das Risiko, dass sich die Lage aus
ihrer Sicht verschlechtert. Die unweigerliche Folge werden Machtkämpfe
innerhalb der und zwischen den nationalen herrschenden Klassen sein - gekoppelt
mit einer gestiegenen Bitterkeit unter breiten Schichten der Arbeiterklasse und
der Mittelschichten angesichts des drohenden Verlustes ihrer Heime und
Ersparnisse.
Aus dem Englischen von David Paenson
[1]Financial Times vom 22. August 2007
[2] Scherzvers des viktorianischen Mathematikers
Augustus de Morgan, übernommen von Jonathan Swift.
[3] „Commercial paper" bezeichnet die
Schuldscheine, die eine Firma einer anderen gewährt, und die letztere mit einem
Preisnachlass an andere Firmen oft weiterverkauft, um wieder flüssig zu werden.
[4] Financial Times, 20. August 2007
[5] Financial Times, 15. September 2007
[6] Mehr dazu in: Chris Harman, „China's Economy
and Europe's Crisis", in International Socialism 109.
[7] Siehe Chris Harman, „Snapshots of Capitalism
Today and Tomorrow", International Socialism 113.
[8] Financial Times, 22. August 2007
[9] Eine ausführliche Diskussion darüber findet
sich in Chris Harman, „The Rate of Profit and the World Today", International
Socialism 115.
[10] OECD Employment Report 2007
[11] Ungeachtet des von weiten Teilen der
Linken akzeptierten Mythos, spielten Produktionsverlagerungen (Outsourcing) ins
Ausland eine viel geringere Rolle als die einfache Ausübung von Zwang zu
härterem Arbeiten. Siehe beispielsweise Kistin J. Forbes: „US Manufacturing:
Challenges and Recommendations", Business Economics, Juli 2004.
[12] Siehe World Economic Outlook, IWF,
September 2005
[13] Skylla and Charibdis waren die
Seemonster, zwischen die Odysseus der Homerischen Sage segeln musste.
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