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Die Unterschriftensammlung für
eine Verfassungsklage gegen Studiengebühren beim hessischen
Staatsgerichtshof war ein Erfolg. Ein Bericht von Tobias Paul, Gießen
Der hessische Wissenschaftsminister Udo
Corts spricht dem Erfolg die politische Legitimität ab und
meinte: „Die 65.000 gesammelten Unterschriften repräsentieren
nicht die Bevölkerung." Er verschweigt allerdings, dass die
formalen Hürden für die Sammlung der vorgeschriebenen
Mindestzahl von 43.308 Unterschriften sehr hoch waren. Trotzdem
wurden diese übersprungen. So musste die Unterschrift in
Gegenwart eines Beamten der Gemeindeverwaltung getätigt werden,
der den formalen Ablauf prüfte und anschließend
gegenstempelte.
Die hessischen Asten
(Studierendenvertretungen, d. Redaktion) sowie der Deutsche
Gewerkschaftsbund (DGB), die Erziehungsgewerkschaft GEW und die
Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di haben hingegen allen Grund, zu
feiern. Auch war die Kampagne ein Beispiel fruchtbarer Zusammenarbeit
zwischen Gewerkschaften und Studierenden. So haben im
studierendenfernen, ländlichen Raum Vogelsberg gewerkschaftlich
organisierte Briefträger die Formulare während der
Arbeitszeit mit ausgetragen. Auf der 1. Mai-Kundgebung wollte der
Gießener DGB einen Unterschriftenstand aufstellen, an dem durch
ehrenamtliche Mitglieder des Magistrats die Beglaubigungen
durchgeführt worden wären.
Nach Paragraph14 Hessisches Wahlgesetz
hätte der Oberbürgermeister Peter Naumann (CDU) nach
eigenem Ermessen über den Unterschriftenstand entscheiden
können. Er verweigerte aber seine Zustimmung mit den Worten,
„dass dann nächste Woche die NPD mir irgendetwas kommen
könnte."
Anders handelten verschiedene ländliche
Gemeinden. Dort wurde, meistens unter SPD-Bürgermeistern,
ähnliche Aktionen ohne Probleme genehmigt. In der Gemeinde
Wettenberg beglaubigte der Bürgermeister sogar zeitweise selbst.
Die LINKE, als lebendiger Teil des
Bündnis gegen Studiengebühren, ist gut beraten, die
Aktivität der SPD nicht als bloße Wahlpropaganda abzutun.
Getragen wird die Arbeit hauptsächlich durch gewerkschaftlich
organisierte SPDler und DGB-Ortsgruppen. Wir müssen die Bewegung
stärken, indem wir konstruktiv mitarbeiten, und nicht versuchen,
uns von der SPD in dieser gemeinsamen Angelegenheit abzugrenzen.
Mit einer "Danke Hessen-Tour"
bedanken sich derzeit Studierende und der DGB bei allen Unterstützern
der Verfassungsklage gegen Studiengebühren. Die Tour geht weiter
am 20.Juni in Darmstadt und findet ihren Abschluss mit einer
Demonstration am 22. Juni in Wiesbaden. Die Klage wird demnächst
eingereicht. Jetzt ist der hessische Staatsgerichtshof am Ball.
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