Die Bundesregierung möchte die deutsche Beteiligung an den UN-Einsätzen
im Sudan verlängern. marx21 dokumentiert die Rede von Christine Buchholz
im Bundestag für die Fraktion DIE LINKE. Sie meint, der Kampf um Öl
ist das Problem und der Westen verstärkt es
durch Einmischung
Video:
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bundesregierung
möchte die deutsche Beteiligung an den UN-Einsätzen im Sudan
verlängern. In ihrer Antragsbegründung argumentiert sie, das sei
zum Schutz der sudanesischen Bevölkerung.
(Marianne Schieder [Schwandorf] [SPD]: Das ist zum Schutz der
Bevölkerung!)
Um aber den Menschen im Sudan helfen zu können, macht es Sinn,
die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Ursachen der Konflikte
im Sudan anzuschauen. Ich möchte hier ein paar Punkte umreißen, um
deutlich zu machen, dass die UN-Missionen und die Bundeswehr auch im
besten Falle nicht helfen können.
Der Sudan ist an sich ein
reiches Land. Der US-Ölkonzern Chevron schätzte, dass der Sudan so
viel Ölvorräte wie Iran und Saudi Arabien zusammen hat. Außerdem
verfügt der Sudan über die drittgrößten Uranvorkommen und die
viertgrößten Kupfervorkommen der Welt.
(Zuruf von der CDU/CSU: Trotzdem geht es den Menschen schlecht!)
Von diesem Reichtum hat die große
Mehrheit der Bevölkerung nichts.
Im Nordwesten des Landes, in
Norddarfur, hat der Klimawandel in den letzten 20 Jahren die
Lebensgrundlage der Bevölkerung zerstört. Hunderttausende flohen
vor der sich ausbreitenden Wüste, Konflikte um Land und Wasser in
Zentraldarfur waren die Folge.
Im Südsudan, wo das meiste Öl
liegt, gibt es seit Jahrzehnten einen Bürgerkrieg. Hauptsächlich
streiten sich die sudanesische Zentralregierung und lokale Machthaber
um die Verteilung der Öleinnahmen. Verschärft werden die Konflikte
durch das Eingreifen verschiedener Staaten. China zum Beispiel
unterstützt die Zentralregierung, die weitreichende Handelsabkommen
mit China abgeschlossen hat. 80 Prozent der aktuellen Ölexporte
gehen an China.
(Zurufe von der CDU/CSU und der FDP: Die Kommunisten!)
Die US-Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die USÖlimporte aus
Afrika bis 2020 rund zu verdreifachen. Der Sudan ist dafür von
zentraler Bedeutung, aber vor allem muss dafür der chinesische
Einfluss zurückgedrängt werden. Die USA wollen im Südsudan eine
ihnen wohlgesonnene und abhängige Regierung haben, die über die
Ölvorkommen verfügen kann. Ob das im Rahmen einer Teilautonomie
oder einer Abtrennung passiert, ist ihnen egal, Hauptsache die
Zentralregierung wird geschwächt und muss Zugeständnisse
machen.
Der Aufbau eigenständiger staatlicher Strukturen im
Südsudan durch die UN, an dem sich auch die Bundesregierung
beteiligt, spielt dieser Zielsetzung in die Hände. Vor diesem
Hintergrund ist eine friedliche Lösung des Konfliktes leider
unwahrscheinlich.
(Beifall bei der LINKEN – Hartwig Fischer [Göttingen]
[CDU/CSU]: Das ist einfach dummes Zeug! Das ist töricht, so etwas!
Da kann man doch nicht klatschen!)
Die UNO-Soldaten sind bei dem Konflikt geduldete Zaungäste. Eine
Eskalation verhindern können sie nicht. Was werden die UNO-Truppen
machen, sollte es wieder zum Krieg kommen? Im besten Falle ziehen sie
sich zurück; dann werden sie schlicht überflüssig. Im schlimmsten
Falle ergreifen sie Partei und kämpfen auf einer Seite mit.
Wie
der ehemalige Bundespräsident Köhler feststellte, leben wir in
Zeiten, in denen der Zugang zu Rohstoffen und Märkten militärisch
abgesichert wird.
Anscheinend kann und will sich die Bundesregierung dieser Logik
nicht verschließen, auch wenn sie an dieser Stelle nur ein
symbolisches Kontingent beisteuert. Was auch immer sich die
Bundesregierung von diesen Einsätzen erhofft – vielleicht eine
gestiegene internationale Bedeutung, eventuell am Ende sogar einen
ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat –, auf keinen Fall tragen sie
zur Lösung der Probleme der sudanesischen Bevölkerung bei.
(Beifall bei der LINKEN – Hartwig Fischer
[Göttingen]
[CDU/CSU]: Man merkt, dass Sie das Sterben da nie erlebt haben! Das
ist schon brutal! Unglaublich, so etwas! – Gegenruf des Abg.
Wolfgang Gehrcke [DIE LINKE]: Ach, halt die Klappe!)
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