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17.05.10: Thailand |
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»Die wahren Terroristen sitzen in der Regierung, der Armee und im Palast« |
Der thailändische Wissenschaftler und
Dissident Giles Ji Ungpakorn über die Niederschlagung der
thailändischen Demokratiebewegung
Thailands Armee und das Regime des
rechten Ministerpräsidenten Abhisit Vejjavija sind verantwortlich
für ein Blutbad auf den Straßen der Hauptstadt Bangkok. Soldaten
sind gegen die Demonstranten vorgerückt, die seit fast zwei Monaten
in der Stadt protestieren. Die Bewegung der »Rothemden«, wie sie
sich wegen ihrer Kleidung nennen, fordert die Rückkehr zur
Demokratie, den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen. Die jetzige
Regierung wurde im Jahr 2008 mit Unterstützung des Militärs
gebildet. Das Militär hat das Gebiet umzingelt, in dem sich die
Demonstranten verschanzt haben. Die Polizei hat Scharfschützen rund
um ihr Lager postiert, mehrere Menschen wurden bereits erschossen.
Aber die Drohungen der Regierung haben die Protestbewegung bisher
nicht zum Schweigen bringen können. Am Wochenende lehnte die
Regierung ein weiteres Angebot der Rothemden ab, Verhandlungen unter
Vermittlung der Vereinten Nationen zu führen. Stattdessen weitete
sie den Ausnahmezustand auf jetzt insgesamt 22 Provinzen und Bangkok
aus.
 Presseberichte und Videos zeigen, dass ohne Unterschied auf unbewaffnete Zivilisten geschossen wird. Thailands Regierung und die Armee
versuchen, den Protestierenden die Verantwortung für den
Gewaltausbruch in die Schuhe zu schieben, und die westlichen Medien
ergehen sich in wilden Geschichten über geheimnisvolle »Männer in
Schwarz«, die angeblich die Zusammenstöße organisieren. Für diese
Presseberichte gibt es keine Beweise, während das mörderische
Vorgehen der Armee offensichtlich ist.Der thailändische
Wissenschaftler und Dissident Giles Ji Ungpakorn wurde des
»Verbrechens« der Majestätsbeleidigung angeklagt, also nicht loyal
gegenüber Thailands Staatsoberhaupt König Bhumibol zu sein.
Angesichts einer möglichen Gefängnisstrafe von 15 Jahren floh er
vor einem Jahr aus dem Land. Hier sind Auszüge aus Ungpakorns
aktuellem Blogeintrag:
»Die Rothemden tragen einen Mann weg,
der verletzt wurde, als das Feuer eröffnet wurde. Nach nicht
bestätigten Berichten vom Samstag, 15. Mai, haben Abhisits Soldaten
mindestens 50 Menschen erschossen. Später gab das staatliche
Unfallkrankenhaus Erawan Emergency Center die Namen von 22 Toten
bekannt. Zudem sind Hunderte verletzt. Ein Sprecher des Zentrums
sagt, dass die Zahl der Toten tatsächlich weit höher liege, im
Moment aber nicht bekannt gegeben werden könne. Ein Sprecher des
Notdienstes Por Tek Tung sagt, dass es im Gebiet von Rajpraropa
mindestens 14 Leichen gibt, die nicht geborgen werden können, weil
die Armee auf die Einsatzkräfte schießt und einer ihrer Leute schon
getötet wurde. Damit läge die offizielle Zahl der Todesopfer bei
36. Die Regierung sagt, es gebe 500 »Terroristen« auf der Seite der
Protestierenden. Davor hatte sie erklärt, sie werde Scharfschützen
einsetzen, um die »Terroristen« zu erschießen.
Doch die wahren Terroristen sitzen in
der Regierung, der Armee und im Palast. Die Regierung Abhisit wurde
nie gewählt. Sie ist nur an
der Macht, weil sie von der Armee gestützt wird. Deshalb fordern die
Rothemden demokratische Wahlen, was absolut legitim ist. Die
Rothemden waren unbewaffnet und friedlich. Es ist die Armee, die
Bangkok in eine Kriegszone verwandelt hat. Die Tyrannen sagen,
dass die Rothemden die Monarchie stürzen wollen und es deshalb
gerechtfertigt sei, sie zu töten. Eine Monarchie zu haben, ist also
eine Entschuldigung, jeden umzubringen, der für Demokratie und
soziale Gerechtigkeit kämpft.
Verschiedenen
Regierungssprecher, darunter auch Abhisits korrupter Wissenschaftler
Panitan Wattanayagorn und der »Zensurchef« Satit
Wongnongtuay verbreiten weiterhin Lügen. Sie behaupten, dass die
Soldaten nur zur Selbstverteidigung schießen würden. Aber all die Auch ein 10 Jahre alte
Junge, ein Sanitäter und ein ausländischer Reporter wurden getötet. Scharfschützen der
Armee verschanzen sich in Gebäuden, keiner von ihnen ist gefährdet
und keiner wird auf irgendeine Weise von den Protestierenden bedroht.
Und doch sitzen sie in ihrem Versteck und erschießen gezielt
unbewaffnete Zivilisten auf den Straßen. Sogenannte
Menschenrechtsgruppen rufen »beide Seiten« auf, die Gewalt zu
beenden. Aber es gibt nur eine Seite, die tödliche Gewalt gegen
unbewaffnete Demokratieanhänger ausübt. Selbst die Organisation
Reporter ohne Grenzen fordert, dass »beide Seiten« die Sicherheit
der Berichterstatter garantieren sollen. Wie können die Rothemden
die Sicherheit von vom auch immer garantieren, wenn sie kaltblütig
umgebracht werden?
In vielen
»Berichten« heißt es, dass die Truppen auf Aufständische
schießen. Niemand ist aufständisch, außer der Armee. Andere
sprechen von Protesten, die in »Gewalt ausgeartet« sind. Es sind
nicht die Protestierenden, die gewalttätig sind. Unbewaffnete
Demokratieanhänger werden systematisch ermordet, um Abhisit und
seine von der Armee gestützte Regierung an der Macht zu halten. Der
König schweigt, wie üblich. Sein einziger Job - abgesehen davon,
seinen Reichtum zu zählen - besteht darin, jede blutige Tat der
Armee zu legitimieren. Dazu schreiben die sogenannten Analysten, dass
er »das Land zusammenhält«. Tatsache ist, dass er bis jetzt noch
jede Niederschlagung der Demokraite unterstützt hat. Er ist schwach
und hat kein Rückgrat. Deshalb sind Millionen Rothemden zu
Republikanern geworden. Die Vereinten Nationen habe soeben Thailand
zum Mitglied des Menschenrechtsrats erklärt. Was für ein Witz! Aber
was können wir von einer Einrichtung erwarten, die von
Kriegstreibern kontrolliert wird. Rothemden im ganzen Land bleiben
standhaft in ihrem blutigen Kampf für Demokratie, soziale
Gerechtigkeit und Würde. Ich ziehe den Hut vor ihnen!«
Über den Autor:
Giles Ji Ungpakorn ist Sozialist und hat für marx21 über die Lage im
Land berichtet. Bis Februar dieses Jahres war er außerordentlicher
Professor für
Politik an der Chulalongkorn-Universität in Bangkok. Nach einer Anklage
wegen
Majestätsbeleidigung musste er aus Thailand flüchten und
lebt derzeit in Großbritannien. Mehr Informationen auf Englisch
und Thailändisch unter http://www.pcpthai.org
// http://redsiam.wordpress.com
// http://wdpress.blog.co.uk/
Mehr auf marx21.de:
- Klassenkampf im
Königreich: In Thailand geht es um mehr als nur den Konflikt
zwischen einer alten und neuen Elite, schreibt Giles Ji Ungpakorn
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