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10.05.10: Griechenland |
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Erklärung eines Kollegen zum Tod von drei Bankangestellten in Athen |
In einer Stellungnahme macht ein Angestellter der Athener Marfin-Bank den Bankvorstand für den Tod dreier seiner Kollegen am vergangenen Mittwoch verantwortlich. Diese starben an Rauchvergiftung, als die Bank aus einer Demonstration heraus mit Brandsätzen angegriffen wurde. marx21 dokumentiert die Erklärung:
Ich habe meinen
Kollegen gegenüber die Verpflichtung an die Öffentlichkeit zu gehen
und ein paar grundlegende Wahrheiten zu erzählen. Ich sende diese
Stellungnahme an alle Medienagenturen. Alle, die noch ein Gewissen
haben, sollten sie veröffentlichen. Der Rest kann damit fortfahren
das Spiel der Regierung mitzuspielen.
 Trauer vor der Filiale der Marfin-Bank in der Athener Innenstadt (Foto: Konstantinos Koukopoulos / flickr.com) Die Feuerwehr hat
das Gebäude bautechnisch niemals freigegeben. Die Betreibung der
Bank lief unter der Hand, wie bei fast allen Unternehmen in
Griechenland.
In dem fraglichen
Gebäude sind keine Sicherheitseinrichtungen in Betrieb, also keine
Deckensprinkler, Fluchtwege oder Feuerlöschschläuche. Es gibt nur
ein paar tragbare Feuerlöscher, die natürlich nicht ausreichen bei
einem Großfeuer in einem Gebäude, das nach längst überholten
Sicherheitsstandards gebaut wurde.
In keiner einzigen
Filiale der Marfinbank wurden Angestellte für den Brandfall
geschult, nicht einmal in der Benutzung der wenigen Feuerlöscher.
Das Management hat die hohen Kosten solch einer Schulung als Vorwand
vorgeschoben und will nicht einmal die grundlegenden Maßnahmen
ergreifen, um sein Personal zu schützen.
Es gab keine
einzige Evakuierungsübung in irgendeinem der Gebäude noch
Übungsstunden mit der Feuerwehr, um uns auf solche Situationen
vorzubereiten. Die einzige Übung in der Marfinbank drehte sich um
eine mögliche Terroristenaktion und insbesondere die Planung, den
»Großen« der Bank in solche einer Situation zu helfen, aus ihren
Büros zu flüchten.
Das Bankgebäude
war nicht extra feuergeschützt und zudem voll mit hochbrennbaren
Materialien wie Papier, Plastik, Kabel, Möbel. Das Gebäude ist
wegen seiner Bauweise faktisch als Bank nicht nutzbar.
Niemand vom
Sicherheitspersonal hatte Ahnung von Erster Hilfe oder
Feuerbekämpfung, auch wenn sie mit der Sicherung des Gebäudes
betraut sind. Die Bankangestellten sollen selbst Feuerwehr oder
Sicherheitspersonal spielen, wenn es nach dem Eigentümer der
Marfinbank geht, Herrn Vgenopoulos.
Das Management der
Bank verbot den Beschäftigten strikt, die Bank zu verlassen, obwohl
diese bereits morgens darum gebeten hatten - gleichzeitig wurden
die Beschäftigten gezwungen, die Türen abzuschließen und sie
wurden aufgefordert, regelmäßig telefonisch zu bestätigen, dass
das Gebäude immer noch verschlossen ist. Das Management blockierte
sogar den Internetzugang um zu verhindern, dass die Beschäftigten
mit der Außenwelt kommunizieren.
Seit einigen Tagen
wurden die Bankangestellten mit Blick auf die Proteste schikaniert:
Das »Angebot« an sie lautete: Entweder ihr arbeitet oder ihr
werdet gefeuert.
Die beiden
Zivilpolizisten, die zum Schutz vor einem Raubüberfall auf die
Bankfiliale eingeteilt waren, kamen an diesem Tag nicht, obwohl das
Management dies mündlich seinen Angestellten versprochen hatte.
Meine Herren, hören
sie auf so zu tun, als seien sie schockiert. Sie sind verantwortlich
für das, was heute geschehen ist und in jedem Rechtsstaat wären sie
schon für ihr Handeln verhaftet worden. Meine Kolleginnen und
Kollegen haben soeben ihr Leben verloren - durch die Boshaftigkeit
der Marfinbank und von Herrn Vgenopoulos, der die Angestellten
explizit vor die Wahl gestellt hat, am 5. Mai, dem Tag des
Generalstreiks, zu arbeiten oder entlassen zu werden.
Mehr auf
marx21.de:
- Aufstand gegen den
IWF-Angriff: Eine Welle von Streiks und
Massendemonstrationen hat Griechenland erfasst. Doch wie soll es im
Kampf weiter gehen? Müssen die Streiks ausgeweitet werden oder soll
sich die Linke für Neuwahlen einsetzen? Matthew Cookson berichtet
aus Athen
- »Den
sozialen Widerstand stärken«: Die griechischen Lohnabhängigen
brauchen die Solidarität der Linken. marx21 dokumentiert die »Erklärung
zur Krise« von mehreren linken Organisationen aus Europa
-
Aufruhr
gegen die Krise: marx21 sprach
mit dem griechischen Aktivisten Sotiris Kontogiannis über die
Schuldenkrise, Korruption und den Widerstand gegen die
Kürzungspolitik der Regierung.
- Desaster
made in Germany: Der gegenwärtige Kampf in Griechenland wirft
ein Licht auf die tiefere Krise in Europa, meint Alex Callinicos.
(Artikel vom 10.03.2010)
- Aufstand
gegen den Staat: Panos Garganas berichtet aus Athen über die
anhaltende Protestwelle gegen die konservative Regierung (Artikel vom
13.12.2008).
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